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PV Anlage oder Solarthermie?

PV-Anlage: Warum Strom für wenig Geld einspeisen? Zauberwort: Energiemanagement

Die Dachfläche mit Solarthermie-Kollektoren bestücken oder eine PV-Anlage installieren?
Hier gibt’s die Pro- und Kontras.

Vor ein paar Tagen war ich bei meinen Eltern, welche gerade dabei sind einen Teil des Hauses zu sanieren. Als ich meinen Vater fragte, ob das Rohr inmitten des geplanten Wohnzimmers für eine Toilette sei, damit man nicht mehr auf die Werbepausen warte müsse, sagte er: „Das ist vorgesehen für eine eventuelle Solarthermie-Anlage, später mal“.

Auf der 20-minütigen Heimfahrt musste ich da lange drauf rumdenken.
Klar, unser Haus (welches wir letztes Jahr gekauft haben) hat eine Solarthermie-Anlage und ich selbst wurde von den Vorurteilen bekehrt, dass dies nur im Sommer funktionieren würde.
Denn auch im Frühjahr und Herbst – ja sogar im Winter bei direkter Sonneneinstrahlung macht diese warmes Wasser.

Aber würde ich Stand heute bei einem Neubau die Solarthermie einer PV-Anlage vorziehen?
Nein! Und hier sind die Gründe

1) Nutzen

Eine Solarthermie-Anlage ist genau für eine Anwendung ausgelegt: Sie macht warmes Wasser. Das ist super, denn warmes Brauchwasser benötigt man immer – auch im Sommer. Sei es nach der Gartenarbeit zum Duschen oder baden, oder einfach für den täglichen Abwasch. Ach was – das macht die Spülmaschine und jene erhitzt das Wasser per Strom?
Genau das ist Punkt Nummer 1, weshalb ich eine PV-Anlage vorziehe.
Denn mit einer PV-Anlage und dem gewonnenen Strom bin ich Flexibel, ob ich diesen zum Aufheizen von Wasser (lies meinen Artikel: AC-ELWA) oder zum kühlen der Wohnung via Klimaanlage nutzen möchte. Wobei einige Modelle (namentlich genannt: Daikin) auch via integrierte Wärmepumpe die Wohnung beheizen können.

Solarthermie für Warmwassser und Heizung

2) Effektivität

Eine Solarthermie-Anlage benötigt – zumindest in den Temperaturschwachen Monaten (Winter / Frühjahr / Herbst) eine direkte Sonneneinstrahlung. Denn irgendwie müssen sich die schwarzen Kollektoren erwärmen.
Monokristalle PV-Module dagegen haben ein recht gutes Schwachlichtverhalten und produzieren auch bei bewölktem Himmel Strom – wenn auch deutlich weniger als bei strahlendem Sonnenschein.
(Polykristalle PV-Module sind weniger Temperaturempfindlich, haben aber ein schlechteres Schwachlichtverhalten).

Monokristalle Module mit gutem Schwachlichtverhalten

3) Wartung

Solarthermie Module sind mit einer Flüssigkeit befüllt, ähnlich Wasser mit Frostschutzmittel.
Denn die Flüssigkeit darf weder im Winter gefrieren noch im Sommer beginnen zu kochen.
Und da ist sie wieder: Die Anomalie des Wassers. Ausdehnung bei Kälte, Verformung zu Gasen bei Hitze. Da ist ordentlich Druck auf der Leitung, was direkte Auswirkungen auf die Kollektoren und die Verschraubungen hat.
Ich persönlich habe dies im letzten Jahr persönlich erfahren dürfen. Exakt 4 Wochen nach unserem Einzug in das neue Haus tropfte es von der Wohnzimmer Decke.
Aber es war nicht der Regen, der an jenem Tag in Strömen vom Himmel fiel, sondern eine ölige Flüssigkeit.
Kurzum, eine Verschraubung der Solarhermie wurde undicht.

Ein sonniger Tag, ohne PV?

Und deswegen denke ich, ist dies der größte Kritikpunkt für Solarthermie.
Denn ist das Wasser im Pufferspeicher erhitzt, stoppt die Pumpe und die Flüssigkeit zirkuliert nicht mehr.
„Die Brühe steht dann also auf dem Dach und köchelt im Sommer bei 120°C und mehr“
So richtig gesund kann das nicht sein – und ist es auch nicht. Denn es hat neben dem Effekt auf die Wartung auch direkten Einfluss auf die Abwärtszeit der Anlage.
Denn „da oben“ im Kollektor passieren viele kleine Explosionen in der Flüssigkeit und sind nicht sonderlich förderlich für den Kollektor.
Ist die Solarthermie-Anlage gut ausgelegt, hält diese ca. 25 Jahre. Und auch mehr.

Einem PV-Panel ist es übrigens völlig egal ob der Strom abgenommen wird den es gerade produziert oder nicht. Auch dessen Stromkabeln ist es egal, denn dort gibt es keine Verschraubungen – nur Klemmstellen, die nicht aufgehen sollten.

Apropos ausgelegt.

4) Skalierung

Meist ist es ja so, dass man in der Blütezeit seines Lebens das Haus baut, die Solarthermie auf das Dach packt und zack- 10 Jahre später sind die Kinder aus dem Haus.
Im Schnitt hat jede Familie 2 Kinder, also 2 Personen im Haus die auf einmal weniger Warmwasser verbrauchen.
Und schon tritt das eben beschriebene Szenario ein: Der Pufferspeicher ist meist voll Warmwasser und auf dem Dach „kocht“ es. Defacto steigt der Wartungsintervall und die Betriebsdauer der Anlage neigt sich eher dem Ende als es müsste.

Im Gegensatz dazu ist es, wie bereits beschrieben, einer PV Anlage völlig egal ob der Strom abgenommen wird.
Selbst wenn man den Strom nicht verbraucht bestehen 3 Möglichkeiten:

  1. Strom in Warmwasser speichern. Dazu hatte ich ja bereits meinen Artikel zur AC-ELWA verlinkt. Wer an die PV-Panele direkt, ganz ohne Wechselrichter eine E-Patrone (Heizstab) anschließen will, der google mal nach „MyPV ELWA“. Vorteil, das Ganze ist dann eine Inselanlage und somit nicht Anmeldepflichtig, da es keine Verbindung zum öffentlichen Netz hat.
  2. Strom speichern: Batterien sind eine Möglichkeit, rechnen sich meiner Meinung nach aber nicht.
  3. Strom einspeisen: Wer die Anlage gefördert hat bekommt noch paar Cent pro KW/h die er ins Netz einspeist
    3.1 Nulleinspeisung: Die meisten Wechselrichter sind skalierbar, können also die Produktion so reduzieren, das diese einher mit dem Verbrauch im Haushalt geht. So wird kein Strom in das öffentliche Netz eingespeist. Man spart sich damit die Netzverträglichkeitsprüfung bei der Anlagen Anmeldung. Eine Vergütung für den eingespeisten Strom gibt des logischerweise auch nicht.

Ist auf dem Dach kein Platz, geht es an der Wadn weiter ;-)

5) Entsorgung

Eines meiner PV-Module ist mir (Heul!) Leider beim Sturm von der Wand gefallen.
Die Entsorgung war problemlos und kostenlos als Elektroschrott im Wertstoffhof.

Sturmschaden - defektes PV Modul

Solarthermie Kollektoren dagegen gelten als Sondermüll – und hier wird’s teuer.
So, thats my 2 Cents zu dem Thema.
Hast du noch mehr Punkte – oder bist du gar ganz anderer Meinung?
Was spricht deiner Meinung nach für Solarthermie?

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