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Revolv: Wenn das Smart Home dunkel bleibt

Revolv - Google Nest
tobias
Geschrieben von tobias
siio-App

Vor nicht allzulanger Zeit hat Google Nest das Cloudbasierte SmartHome System „Revolv“ übernommen – jetzt wird die Marke eingestampft und ab 15.Mai werden die Server abgeschalten.

Revolv produzierte einst einen formschönen Smart Home Hub – kaum größer als ein Handteller. Das Unternehmen wurde Ende 2014 von Nest gekauft und deren Produkt von den neuen Eigentümern vom Markt genommen. Mittlerweile hat Google Nest für angebliche 3,2 Milliarden Dollar eingekauft. Am 15. Mai wird nun nicht mehr nur der Server-Support für Nest eingestellt, sondern das gesamte System erhält den finalen Todesstoß. Gestern noch Smart Home Hub, heute Plastikmüll im Wert von ehemals 300 Dollar. Was sagt das über das Internet of Things (IoT) und die Welt des Smart Homes?

Google stellt Revolv ein

Seitdem Nest an die Türen von Revolv klopfte, wurde es still um den kleinen Hub. Er wurde vom Markt genommen, dessen Mitarbeiter abgezogen – sofern sie nicht frustriert von selbst kündigten. Den ‚early adoptern‘, die ihr Vertrauen in das Produkt von Revolv legten versicherte man, dass sich nichts ändern würde. Mit Google als neuen Eigentümer war klar, dass der Frieden nur noch von kurzer Dauer sein würde: „Works with Nest“ war nun die ausgewiesene Devise.

Revolv Smart Home Hub

Revolv Smart Home Hub

Am 15. Mai wird Revolv und dessen Dienst nun endgültig eingestellt. Sowohl Steuerungs-App als auch der Hub werden nach Ablauf des Tages keine Dienste mehr verrichten. Eine Möglichkeit, Revolv lokal bzw. offline zu nutzen oder gar ein Nachfolgeprodukt zu erwerben, gibt es schlichtweg nicht.

„Das ist ein ganz offensichtliches ‚Leck mich‘ für jeden Einzelnen, der Revolv vertraut und deren Produkte gekauft hat“

, so Arlo Gilbert, texanischer Unternehmer und Besitzer der Revolv-Lösung.

„Meine Lampen werden nicht mehr auf Bewegung reagieren und meine individuell angepasste Einbrecherabwehr wird nicht mehr funktionieren. Das ist eine bewusste Entscheidung seitens Google/Nest“

, so Gilbert weiter. Mittlerweile ist er unfreiwillig auf Samsungs SmartThings umgestiegen.

Nachdem der Verkauf des Hubs vor eineinhalb Jahren eingestellt wurde, Sicherheitsupdates nicht mehr eingespielt wurden und auch die letzten Garantieansprüche erloschen sein dürften, ergibt es auch unternehmerischer Sicht wenig Sinn, ein solches Produkt weiterhin zu betreiben. Es aber gänzlich unbrauchbar zu machen zeigt, wie schnelllebig das Internet der Dinge sein kann. Nämlich dann, wenn Hersteller darüber bestimmen können, wie lange die gekaufte Hardware brauchbar bleibt – indem sie die Software und betreffenden Server einfach deaktivieren.

Und was lernen wir daraus?

Die Smart Home Branche ist mitunter kurzlebig. Produktionszyklen werden kürzer, Standards ändern sich schnell. Oft bleibt das Thema Nachhaltigkeit der Systeme einfach auf der Strecke. Viele Start-ups hoffen, durch große oder etablierte Markten übernommen zu werden. Was dann aber aus den Diensten und Produkten wird, das kann niemand seriös vorhersagen. Worst case: der Anwender die Zeche.

Wer sich heute für ein Smart Home System entscheidet, der muss damit rechnen, in drei bis sechs Jahren auf ein anderes System umsteigen zu müssen. Sei es, weil das System aufgekauft und vom Markt genommen wurde. Oder sei es, weil die Firma Konkurs angemeldet hat.

Im Internet der Dinge verschwindet zudem nach und nach der Unterschied zwischen Software und Hardware. Werden Server und Software abgeschaltet, wird aus der teuren Hardware billiger Plastikmüll. Bleibt die Frage: Kauft man die Hardware? Oder leiht man sie sich bloß zum Festpreis – bevor man Neues nachkaufen muss? Je enger die Geräte miteinander vernetzt sind, desto stärker sind die darauf angewiesen, dass Sicherheits- und Softwareupdates eingespielt werden – und die Software auch weiterhin vom Betreiber unterstützt wird.

Ob sich eine Marke durchsetzen kann, deren Geschäftsgebahren schlicht darauf beruht, durch Deaktivierung der Software die Anwender-Hardware obsolet zu machen, darf vage angezweifelt werden. Dennoch zeigt der Fall Revolv, welchen neuen Fragestellungen sich Anwender in Zukunft werden stellen müssen.

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Tobias schreibt die News auf siio.de, ist Buchautor in Sachen Smart Home und fährt privat einen ziemlich wilden Gerätemix - Hallo aus Berlin.

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