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Smart Home? Ja! Fachhandel: Nein, Danke!

CONTEXT Studie Smart Home
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Geschrieben von tobias
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Wie eine aktuelle CONTEXT Verbraucherstudie zeigt, lieben deutsche Verbraucher das Smart Home. Sie kaufen es trotz großer Wissenslücken nicht wie erwartet im Fachhandel, sondern viel lieber online. Aber woran liegt das?

Große Nachfrage bei schlechter Beratung

Europas Verbraucher sind wie schon in den Jahren zuvor am Thema Smart Home interessiert. 57% Prozent der befragten Verbraucher in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien haben diesbezüglich Beratungsbedarf, fühlen sich im Fachhandel jedoch nicht entsprechend gut aufgehoben.

„Während 65 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich um ihre Häuser sorgen wenn sie selbst abwesend sind, haben nur 10 Prozent etwas über IP-Kameras gehört. Smart-Home-Bildung ist die aktuelle Herausforderung“, sagte Adam Simon, Global Managing Director, Retail bei CONTEXT. „Es gibt reale Probleme, die Smart-Home-Produkte sofort lösen können, aber die Verbraucher sind einfach nicht über die technischen Lösungen informiert.“

Immense Wissenslücken

Fast ein Drittel aller in Europa Befragten, nämlich 63 Prozent geben zu, über die technischen Zusammenhänge des Smart Homes nur wenig zu verstehen. Nur 13 Prozent betrachten sich hingegen als gut informiert. Eine Mehrheit von immerhin 57 Prozent der Befragten will in Zukunft mehr über das Potential von Smart Home lernen – besonders im Bezug auf Kostenersparnis und Sicherheit.

Allerdings erfahren sie dazu im Einzel- wie Fachandel nur wenig darüber. In Deutschland haben immerhin 40 Prozent der Befragten in einem Einzelhandelsgeschäft schon einmal etwas über Smart Home gehört. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das Kaufinteresse der Verbraucher.

Die Folge: Ein zersplitterter Markt

Der diffuse Kaufwunsch sowie die wenig hilfreiche Beratung spiegelt sich sodenn auch in der Zersplitterung der Anbieter-Szene wider. Jeweils 10 Prozent würden sich für das in Deutschland nicht erhältliche Amazon Echo bzw. Google Nest entscheiden. Mehr als 12 Prozent würden hingegen Apples HomeKit bevorzugen. Immerhin noch zirka 6 Prozent beabsichtigen, die SmartHome Plattform der Telekom „Qivicon“ zu erwerben. Und falls man noch mehr Beweis für einen ausfasernden Markt braucht: Fast 50 Prozent der Befragten wählten andere Firmen.

Geht es um den reinen Verkauf, dann führt in Deutschland der Online-Händler Amazon mit 87 Prozent deutlich die Liste an. Gefolgt von dem E-Tailer Notebooksbilliger.de sowie Conrad und Otto. Die Deutsche Telekom genießt mit 88 Prozent im übrigen großes Vertrauen, während bei den Fachmärkten nur MediaMarkt mit fast 82 Prozent punkten kann.

„Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, mehr über Smart-Home zu lernen, aber es gibt diesbezüglich immer noch Hürden zu überwinden, beispielsweise wie Einzelhändler Verbrauchern das Konzept erklären und wie die Industrie diese Kategorie vermarktet“, so Amanuel Dag, CONTEXT Country-Manager für Deutschland, Österreich und Schweiz.

Übrigens: Besonders aufschlussreich ist das Ranking in Sachen Installationskompetenz. Die höchste Smart Home Kompetenz wird demnach den Telekom-Serviceanbietern zugetraut, gefolgt von Energieversorgungsunternehmen und großen Technik-Fachhändlern. Auf den weiteren Plätzen landen Fachhandel-Techniker, Do-it-Yourself-Anbieter und erst dann lokale Handwerker.

Großes Interesse am Einstieg

Mit 22,8 Prozent führt Deutschland in Europa beim Interesse, innerhalb von zwölf Monaten den eigenen Haushalt smart machen zu wollen. Definitiv kein Interesse an SmartHome haben in Deutschland nur ungefähr 18 Prozent. In England und Italien sind dies derzeit mehr als 50 Prozent. Das zeigt, das der als technikskeptisch verschrieene, deutsche Markt im europäischen Vergleich immer noch vergleichsweise offen für Innovationen ist.

In den kommenden zwölf Monaten würden 30 Prozent der Einstiegswilligen bis zu 150 Euro, 23 Prozent bis zu 250 Euro und 22 Prozent bis zu 500 Euro ausgeben. Immerhin 8 Prozent sind sogar bereit, bis zu 1.000 Euro in SmartHome-Produkte zu investieren.

Einig sind sich alle Befragten in Europa darin, welcher Raum zuerst „smart“ werden soll: Es ist mit 62 Prozent die Küche, gefolgt von Schlafzimmer mit mehr als 16 Prozent und dem Wohnzimmer mit gerade einmal noch zirka 11 Prozent.

Die für Interessierte wichtigsten Anwendungsgebiete sind übrigens Licht- und Temperatursteuerung: 37 Prozent. Mehr als 32 Prozent wünschen sich darüber hinaus eine Sicherung des Haushalts vor Einbruch, Feuer und anderen Gefahren. Nur etwa 20 Prozent bevorzugen moderne Unterhaltungselektronik wie Multiroom. Für ungefähr 14 Prozent steht die technische Unterstützung bei der Pflege älterer Angehöriger im Vordergrund. Auch dieser Hinsicht scheint der Markt zu wachsen.

Über die CONTEXT Smart Home Studie

Das CONTEXT Smart Home Barometer bewertet insgesamt zehn Schlüsselfaktoren. Deutschland führt in Europa mit einem Barometer-Spitzenwert von 62 von 100 Punkten bei einem Europa-Durchschnitt von 32 Punkten. Dazu wurden im Dezember 2015 in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien 2.500 Verbraucher befragt.

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Tobias schreibt die News auf siio.de, ist Buchautor in Sachen Smart Home und fährt privat einen ziemlich wilden Gerätemix - Hallo aus Berlin.

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