Smarte Lüftungsanlage – die Planung

Geschrieben von crissxcross
smaart-Haus

Ich habe mich entschieden, es soll eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung her. „The Maschine“ soll auf dem Dachboden installiert werden, wo auch die Rohre verlaufen sollen, die dann in die Räume führen.
Soweit so gut, doch was brauche ich alles, außer „The Maschine“ und Rohre? Und vor allem, welche Rohre?

Auf dem Dachboden (Kaltseite) soll die Anlage installiert werden

Ich möchte vorwegschicken, dass ich handwerklich eine Null bin und daher alle Informationen irgendwo googlen, erfragen oder per YouTube lernen musste.

Das man bei einer Verrohrung die „nur Luft“ führt, so gravierende Fehler machen kann, die durchaus zu Wasserschäden am Gebäude führen können, war mir zu Beginn dieses Projektes nicht bewusst.

Glaubst du nicht? Sei gespannt!

Planung ist die halbe Miete

Wir schreiben den Monat Oktober in 2020. Corona hat das Land im Griff, frische Luft und CO2 ein Buzzword-Thema in ganz Deutschland und alle sind Zuhause. Wir auch.
Beste Zeit ein neues Projekt zu starten, dachte ich mir, und nahm die „zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung“ in Angriff, mit der ich schon so lange liebäugelte.

Doch wie bereits bei meinen anderen Projekten, wie beispielsweise der Bewässerungsanlage mit Versenkregner oder den PV-Modulen oder der Gartenbeleuchtung, stand auch hier zuerst das staubtrockene, theoretische Thema „Planung“ im Raum.

Meine High End Skizze als Plungsgrundlage :-)

Das es der „Lunomat“ werden soll, war bereits klar. Doch was brauche ich noch und wieviel von jedem, das war bis hierhin ein großes Fragezeichen.
Cool, dass der Hersteller Lunos hierfür ein Tool im Internet anbietet, das man auch als Endkunde nutzen kann.
Fachbetriebe wie Sanitär- Lüftungstechniker können Anlagen sogar bei Lunos die Planung machen lassen.

Das wäre auch der reguläre Weg, denn die Geräte und Materialien sind eigentlich nur über den Fachhändler zubekommen. Mit Ausnahme der Fachhändler, welche Amazon und eBay für sich entdeckt haben ;-)
Dennoch will ich an dieser Stelle anmerken: Ich war sehr froh, dass ich fachlichen Beistand – wenn auch „dank“ corona nur per Videochat hatte.

Wenn auch du es (wie ich) als DiY-Projekt planst, suche dir jemanden der vom Fach ist und dir Rat geben kann. Kältebrücken und Kondensat sind dein Feind!

Aber zurück zum Planungstool. Hier musst du einige Informationen zu deinem Haus, bzw. Wohnung bereit halten. Wie zum Beispiel den Grundriss – oder besser gesagt, die Quadratmeter der einzelnen Räume. Auch die Deckenhöhe ist von Interesse.

Planungstool berechnet nötige Volumenströme

Denn darüber errechnet das Tool die Fördermenge pro Zu- und Abluftraum, sowie die Mindest-Spaltmaße unter den Türen.

Wie funktioniert eine zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung?

Anders als bei der dezentralen Lüftung, wird nicht ein Lüfter pro Raum verbaut, der dann zyklisch abwechselnd entweder Abluft- oder Zuluft schafft – hier gibt es ein zentrales Gerät mit zwei Lüftern.

Ein Lüfter saugt Frischluft an, der andere saugt Luft aus den Ablufträumen ab

Und so gibt es Ablufträume – das sind Beispielsweise die Küche, das Bad oder das Gäste WC.
Aus diesen Räumen wird die Luft abgesagt. Sie gelangt in den Wärmetauscher und gibt die Wärme an die Frischluft, welche von Draußen angesaugt wird ab.

Die anderen Räume sind Zulufträume, lies: das Wohnzimmer, Schlafzimmer oder die Kinderzimmer.
Dort wird frische Luft von Draußen, die über den Wärmetauscher durch die Luft von Badezimmer und Küche vorgewärmt wurde, zugeführt. Der Flur ist ein sogenannter „Überströmungsbereich“ – also dort wo die Luft, die ja nun in den Wohnräumen zu viel ist, überströmt in Richtung Badezimmer oder Küche um dort abgesaugt zu werden.
So entsteht ein gleichmäßiger Luftstrom in der ganzen Wohnung, was eines der Vorteile gegenüber einer dezentralen Lüftung ist.

Damit die Luft gleichmäßig strömen kann, braucht es einen Luftspalt unter den Türen. Den hat jede Tür, doch wie groß der sein muss, sagt das Lunos-Planungstool.
Aber keine Angst, (ja das dachte ich auch erst) man muss die Tür nicht gleich absägen zum Kürzen. Sollte der Spalt nicht groß genug sein, reichen schon 1-2 Unterlegscheiben, die man in die Scharniere packt, damit die Tür höher sitzt.

Planungstool berechnet Mindestspaltmaße der Türen

Zudem sagt das Planungstool auch, wieviel Deckenauslässe man benötigt (gut das kann man auch selbst durchzählen) aber vor allem, wieviel Verteiler man benötigt und wieviel Rohre man an das jeweilige Deckenauslassventil man anschließen muss. Daraus resultierend auch, wieviel Verteiler man benötigt.

Skizze aus dem Planungstool

Denn, von dem Lunomat (der zentralen Lüftungsanlage), gehen DN125 Rohe ab. Heißt, Rohre mit 125mm (lies: 12,5cm) ab zu den Verteilern.
Von dort aus gehen DN75 Rohre, also (flexible) Rohre mit 7,5cm Durchmesser zu den Deckenauslässen. Ganz gleich ob es Abluft- oder Zulufträume sind.

Planung zeigt, wieviel DN75 Rohre pro Deckenauslass nötig sind

Je nach Raumgröße kann es notwendig sein, zwei der DN75 Rohre anzuschließen, um die best mögliche Belüftung zu erreichen.
In unserem Fall war es das Wohnzimmer, das mit 30m2 doch recht groß ist, welches einen Deckenauslass mit 2x DN75 flexiblen Rohren verpasst bekommen hat.

So sieht ein Deckenauslass mit Tellerventil aus

Und auch beide Ablufträume – also Küche und Badezimmer – müssen mit jeweils einem Deckenauslass der mit zwei flexiblen DN75 Rohren „verrohrt“ ist, entlüftet werden.

So sieht ein Deckenauslass mit zwei DN75er Rohren aus.

Welches Montagematerial brauch ich?

Was aus dem Lunos-Planungstool nicht herausfällt ist, wieviel Meter Rohre „genau“ man(n) letztendlich benötigt.
Auch nicht, welches Montagematerial man noch benötigt. Ja, woher auch?
Das Planungstool weiß eben nicht, ob man auf Holz, in Dämmung, Unterputz oder wie auch immer man die Rohre verlegen will.

Auch welches Verbindungsmaterial man benötigt, steht dort nicht geschrieben.
Pauschal habe ich mir mal 75-80mm Rohrschellen bestellt, sowie 125er Rohrschellen mit Stockschrauben.

Welchen derben Denkfehler ich hier hatte, dass erzähl ich dir in einem der nächsten Artikel, meines „Lüftungs-Krimi“.

Was das Planungstool auch nicht sagt ist, wo man denn die Deckenauslässe montieren soll. Aber gut, bis zum Loch bohren ist noch Zeit, da müssen sich Informationsquellen finden.

Also habe ich gemäß er ausgespuckten Teileliste des Planungstool bestellt:
Eine Rolle flexibles, antistatisches, antibakterielles, DN75 er Rohr, 4 Verteiler, 6 Deckenauslässe, Tellerventile, und 2×2 Meter DN125er Dämmrohr.

Materialliste für die Lüftungsanlage

Wir schreiben den 27.November 2020. Ich hatte ein etwas größeres Paket erwartet, aber stattdessen für „DB-Schenker“ vor.
Ganz genauso, wie damals, als meine ersten Mini-PV Module geliefert wurden. Ich hatte ein Dejavu.

kein kleines Paket – eine ganze Palette kam an

Ok, Paket erwartet und der nette Herr der Spedition lud eine Palette ab. Ich war überfordert.
Ich schlepp das Zeug erstmal in Keller, um es dort zwischen zu lagern und um es dann später auf den Dachboden zu schleppen. #WiedieSchildbürger

Alles in den Keller, und dann aufs Dach

Von meinen ersten Installationsschritten, warum diese für die Katz waren und ich alles wieder zurückbauen musste, das liest du dann im nächsten Blogpost.

Diesen Blogpost hat geschrieben ...

crissxcross

Chris, Gründer und Blogger von siio.
Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.

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