IP-Kameras Review

Test: Reolink Altas PT Ultra – Akku-PTZ für mein Schloss

Geschrieben von crissxcross

Wer mein Schloss kennt, weiß: Hier wird nicht einfach nur eine Kamera angeschraubt, hier wird gesichert. Und zwar so, dass ich nachts ruhig schlafen kann – und tagsüber etwas zum Basteln, Testen und Vergleichen habe.

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Die Reolink Altas PT Ultra ist dabei nicht meine erste Begegnung mit Reolink. Im Gegenteil: Ich habe über die Jahre einige Modelle getestet und im Einsatz – angefangen bei der Argus 4 Pro (akku­basiert, optional Solar, Dual-Lens mit Stitching), über die Reolink E1 Outdoor Pro (netzteil­versorgte PTZ-Kamera) bis hin zur Elite Floodlight Wifi, die bei mir im Carport hängt und nachts den Hof taghell macht.

Mit der Altas PT Ultra kommt nun eine spannende Kombination: Akku + PTZ + Auto-Tracking + 4K. Klingt auf dem Papier großartig – aber Papier ist geduldig. Also ran an den Akkuschrauber.

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Unboxing – Blau, solide, durchdacht

Die Kamera kommt im typischen Reolink-blauen Karton, ordentlich gepolstert, alles an seinem Platz. Schon beim Auspacken fällt auf: kein Netzteil. Das ist Absicht, denn die Altas PT Ultra ist akku­betrieben. Reolink gibt eine Akkukapazität von 20.000 mAh an und spricht von bis zu 500 Tagen Standby.
Standby wohlgemerkt – und mein Schloss kennt wenig Standby. Hier laufen Katzen, Postboten, Nachbarn, Wind, Blätter und gelegentlich auch Autos durchs Bild. Und dazu kommt: Das hier ist eine motorisierte PTZ-Kamera. Drehen, schwenken, Auto-Tracking – all das kostet Energie. Genau deshalb finde ich dieses Modell so spannend.

Sehr positiv überrascht hat mich die Halterung. Wer Reolink kennt, weiß: Früher war Montage manchmal… sagen wir… frickelig. Gewinde drehen, Platte montieren, Kamera draufsetzen, Kabel fädeln – gerade bei Akku-Modellen immer etwas umständlich.
Hier nicht. Die Wandhalterung ist ein stabiler Winkel mit einer quadratischen Aufnahme. Kamera aufstecken, sitzt. Kein Kabel, kein Gefummel. Rechts und links zwei kleine Schrauben zum Fixieren – fertig.
Das bedeutet: schnelle Montage, aber auch schnelle Demontage, wenn der Akku geladen werden muss. Ein klarer Pluspunkt.

Im Lieferumfang sonst eher pragmatisch:

  • Kamera
  • Wandhalterung
  • Schrauben & Dübel
  • Kurzanleitung
  • Aufkleber „Videoüberwachung“
  • Ein Band zur Befestigung an Mast oder Fallrohr (nicht getestet, aber plausibel)

Installation – Akkuschrauber, zwei Schrauben, erledigt

Ich habe die Altas PT Ultra testweise ein paar Zentimeter über meiner E1 Outdoor Pro montiert. Warum? Ganz einfach: direkter Vergleich. Bildqualität, Reaktionszeit, Erkennungslogik – alles unter gleichen Bedingungen.

Zwei Schrauben in die Bretter der Gartenhütte, Halterung dran, Kamera aufstecken – das war’s. Kein Kabel, kein Netzteil, kein Fluchen.
Gerade für flexible Einsätze (temporär, saisonal, Wildkamera-Feeling) ist das ein riesiger Vorteil. Gleichzeitig aber auch der erste kleine Haken: Was leicht montiert ist, ist theoretisch auch leicht gestohlen, wenn man es in Greifhöhe anbringt. Dazu später mehr.

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Einrichtung – Reolink-typisch einfach (mit einem kleinen Stolperstein)

Die Einrichtung erfolgt über die Reolink-App. Die hatte ich ohnehin schon, da ich mehrere Reolink-Kameras betreibe.
QR-Code scannen, Verbindung herstellen, WLAN-Zugangsdaten übergeben, Gerätepasswort setzen, Kamera benennen – alles gewohnt einfach.

Ein altbekannter „Reolink-Moment“ darf aber nicht fehlen:
Die Kamera meldet sich lautstark und mehrsprachig immer wieder mit dem Hinweis, dass man die App installieren soll. Sehr laut. Sehr oft. Sehr… motivierend. 😅
Zum Glück ist das nur während der Ersteinrichtung so.

Home Hub statt Speicher in der Kamera

Ich betreibe zusätzlich einen Reolink Home Hub – eine kleine Box mit Speicher, quasi ein Mini-NVR. Und genau hier spielt Reolink eine seiner größten Stärken aus.

Die Altas PT Ultra hat keinen integrierten Speicher.
Sie kann mit einer microSD-Karte bis 512 GB ausgestattet werden – diese ist aber nicht im Lieferumfang.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Wenn die Kamera gestohlen wird und die Speicherkarte steckt in der Kamera, sind die Aufnahmen weg. Der Vorteil der einfachen Montage wird dann schnell zum Nachteil.

Mit dem Home Hub (oder alternativ FTP, NAS, Synology, Fritzbox etc.) liegen die Videos nicht auf der Kamera, sondern sicher im Netzwerk.
Ich habe mich daher bewusst entschieden, die Kamera direkt mit dem Home Hub zu verbinden.

Kleiner Praxistipp:
Bei mir wollte die direkte Verbindung zum Home Hub zunächst nicht klappen, weil ich dessen WLAN deaktiviert habe. Lösung:

  1. Kamera zunächst als Standalone ins WLAN einbinden
  2. In der App wieder löschen
  3. Neu hinzufügen – diesmal über den Home Hub
    Danach lief alles problemlos.
Direkter Vergleich E1 Pro (oben) und Altas Ultra (unten)

Im Alltag – Bild, Tracking, Erkennung

Bildqualität

Kurzfassung: Wow.
Die Altas PT Ultra liefert 4K (3840 × 2160, 8 MP) mit 15 fps – und das sieht man. Tagsüber gestochen scharf, Details klar erkennbar.

Richtig beeindruckt hat mich aber die farbige Nachtsicht.
Im direkten Vergleich zur E1 Outdoor Pro ist das ein Unterschied wie Kerze vs. Flutlicht. Die Altas PT Ultra nutzt Restlicht extrem effektiv. Das Bild wirkt fast wie am Tag – ohne die Szene komplett auszuleuchten.

Scrreenshot Vordefinierte Überwachungspunkte

PTZ & Auto-Tracking

Die Kamera kann:

  • 355° schwenken
  • 90° neigen
  • Bewegungen automatisch verfolgen

Erkennt sie eine Person oder ein Fahrzeug, folgt sie der Bewegung zuverlässig innerhalb ihres Radius. Das funktioniert erstaunlich gut – kostet aber natürlich Akku, da die Motoren aktiv arbeiten.
Auch können Punkte definiert werden, die per Klick direkt angefahren werden, oder in einer Patrouille abgefahren werden. So habe ich bei mir Punkte wie Einfahrt, Gartentor oder Parkplatz vordefiniert um diese Überwachungspunkte schnell "anfahren" zu können.

Erkennung & Benachrichtigungen

Wie von Reolink gewohnt, lassen sich unterscheiden:

  • Person
  • Fahrzeug
  • Tier

Empfindlichkeiten und Benachrichtigungen sind fein einstellbar. Zusätzlich lassen sich Zonen definieren, die zwar aufgezeichnet, aber nicht gemeldet werden – ideal, wenn am Bildrand eine Straße oder das Nachbargrundstück liegt.

Akku & Solar – der spannende Teil

Der große 20.000 mAh-Akku ist eines der Hauptargumente für diese Kamera.
Wie lange er real hält, werde ich noch weiter beobachten – denn Dauer-Tracking, häufige Bewegungen und Nachtbetrieb sind echte Stromfresser.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Kamera mit einem Reolink-Solarpanel erweitern, das per USB-C angeschlossen wird.
Gerade an sonnigen Standorten dürfte das den Betrieb nahezu wartungsfrei machen.

Speicher & Freiheit – Reolink macht es richtig

Und das ist mir persönlich extrem wichtig: Reolink zwingt einen nicht in ein Abo-Modell.

Ich kann:

  • lokal auf microSD
  • auf den Reolink Home Hub
  • per FTP
  • auf NAS-Systeme (z. B. Synology)
  • sogar auf eine Fritzbox (USB Stick + FTP)

speichern.
Keine Cloud-Pflicht, kein „Drucker-Tinte-Prinzip“. Das ist in Zeiten von Abo-Wahnsinn leider keine Selbstverständlichkeit mehr – hier aber ein echtes Plus.

Fazit – Akku-PTZ für flexible Schloss-Sicherung

Die Reolink Altas PT Ultra ist für mich eine der spannendsten Kameras im aktuellen Reolink-Portfolio.
Sie kombiniert:

  • hervorragende Bildqualität
  • farbige Nachtsicht
  • PTZ mit Auto-Tracking
  • Akku-Betrieb
  • flexible Speicheroptionen

Stärken

  • Sehr einfache Montage
  • Großartige Nachtaufnahmen
  • PTZ + Tracking ohne Kabel
  • Kein Zwang zu Cloud-Abos

Schwächen

  • Akku-PTZ braucht Disziplin beim Energieverbrauch
  • Ohne externen Speicher theoretisch diebstahl­anfällig

Mit Home Hub oder NAS relativiert sich der letzte Punkt jedoch deutlich. Für mein Schloss ist die Altas PT Ultra definitiv ein Kandidat für höhere Gefilde – seit gestern nun unter der Dachkante, außer Reichweite neugieriger Langfinger. 😉

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Diesen Blogpost hat geschrieben ...

crissxcross

Chris, Gründer und Blogger von siio.
Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.

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