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Smart Mirror selber bauen, oder fertig kaufen? Ich durfte den „Smart Spiegel“ von MySmartMirror testen.Suner hatte hier auf siio schon gezeigt, wie man einen intelligenten Spiegel, einen sogenannten „Smart Mirror“ selber bauen kann.
Die Software gibt es als Raspberry Pi Projekt und auch den Rahmen für den Spiegel gibt es quasi fertig von der Stange bei einem schwedischen Möbelhaus zu kaufen. Das knifflige am Projekt ist wohl die Auswahl des Spiegelglas. Es muss durchlässig genug sein, damit man die Anzeige des Displays gut lesen kann, aber es darf nur soviel durchlassen, damit man nicht das Innenleben des Spiegels sieht. Aber auch dafür gibt es inzwischen Online Anbieter, welche das Glas mit den perfekten Transmissionswerten und der richtigen Materialstärke anbieten. Das alles inklusive Lieferservice.

Auch ich war von Suners Beitrag so begeistert, das ich mir den Spiegel nachgebaut habe.
Der Vorteil ist zum einen die große Anzeigefläche des 17″ Display, die fix und fertige Software, welche „nur“ noch auf eine SD Karte geflashed werden muss und die vielen Apps, welche es inzwischen für das „mirror.OS“ gibt. So lässt sich neben dem Wetter (gemessen von der hauseigenen netatmo) auch der persönliche Terminkalender, die aktuellen Benzinpreise der Tankstelle um die Ecke und ja sogar die Verkehrsinformationen für den Weg auf Arbeit anzeigen.

Nachteil: Es ist eben ein Notebook Display, welches 25 Watt und mehr verbraucht. Der IKEA Rahmen mit Glas hat so sein Gewicht und unterm Strich hat man neben viel Zeit auch knapp 250 Euro investiert.

Da stieß ich letztens mehr oder weniger zufällig (Amazon bietet ja kaum Produkte an, die irgendwas mit Dingen zu tun haben, die man zuvor gesucht hatte *Ironie aus) auf den „Smart Spiegel“ von MySmartMirror.
Diesen gibt es ab 199 Euro zu kaufen und für diesen Preis soll ein fix und fertiger Smart Mirror, inklusive Amazon Alexa Sprachassistent geliefert werden.
Klar, musste ich mir ansehen und hier ist der Test:

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Getestet: Smart Mirror mit Alexa Sprachassistent

Das Gewicht und die Abmessungen lassen eher ein Bild vermuten, als ein Smart Mirror. Zum einen ist der Smart Spiegel von MySmartMirror relativ schmal. Hier ist definitiv kein Rasperry Pi verbaut. Zum anderen lässt das Gewicht darauf schließen, dass auch kein echtes Spiegelglas verbaut ist.

Daher habe ich mir die Einzelteile des Smart Mirror mal genauer angesehen.
Im Rahmen befindet sich Plexiglas, beklebt mit einer ChromSpy Folie. Da der Spiegel online bei Amazon verkauft und dann zum Kunden versendet wird, ist das natürlich die beste Wahl, da Plexiglas nicht so leicht bricht wie ein echter Spiegel. Dafür ist das Ergebnis des Smart Mirror leider auch nicht so gut, wie mit einem echten Spiegelglas.

Hinter dem Plexiglas mit der Chromespy Folie werkelt ein Amazon Fire Tablet, getragen von einer, scheinbar im 3D Drucker erstellten Platte mit einer entsprechenden Vertiefung für das Tablet.
Den Smart Mirror gibt es neben den verschiedenen farbigen Rahmen übrigens auch in zwei Ausführungen der verbauten Tabletgröße:

Getestet habe ich die Version mit dem 10″ Fire Tablet.

Ein Tablet im Smart Mirror – kommt es da auch mit Touch-Bedienung? Leider nein, das ist durch den Spiegel technisch wohl nicht möglich. Für die Bedienung liegt ein Mini Bluetooth Keyboard bei.
Die Bedienung ist dadurch ungemein komplizierter. Dies beginnt schon beim entsperren des Tablet. Hat man den Dreh erstmal raus, gehts dann aber mit der Bedienung. Dennoch: Lieber hätte ich das Tablet via Touchbedienung eingerichtet.

Denn bevor der Spiegel „smart“ wird, benötigt er natürlich noch eine Internetverbindung – via WLAN.
In die Einstellungen des Tablet via Touchmaus auf der Mini Tastatur navigieren, die WLAN Einstellungen öffnen, das eigene WLAN auswählen und über die Mini Tastatur das WLAN Passwort eingeben.

Kein Touch – Eingabe via Mini Keyboard

Damit aus dem spiegelnden Bilderrahmen mit verbautem Tablet endlich ein Smart Mirror wird, kann nun die eigens von „My Smart Mirror“ entwickelte App geöffnet werden.
Auch hier ist das Erstellen eines Accounts nötig, bevor es losgeht.

Übrigens: Wer selber Hand anlegen will und einen Smart Mirror aus einem alten Android Tablet basteln will, der kann die App auch im Google Play Store laden. Für den ersten Test ist diese auch kostenlos, danach kostet diese eine Mark und neununddreissig Pfennig.

Die Basics sind da

Was erwartet man von einem Smart Mirror?
Klar: Informationen auf einen Blick. Dazu zählt:

  • Wettervorhersage
  • Uhrzeit
  • Nächste Termine (Kalender)
  • News / Schlagzeilen

Und genau das bietet die „My SmartMirror App“.
Über die Eingabe der Postleitzahl, erhält der Spiegel die Wettervorhersage für den entsprechenden Standort. Ist ein Google Account verknüpft, so gibt es die anstehenden Termine aus dem Google Kalender direkt auf den smarten Spiegel. Ich finde diese Funktion wirklich praktisch, wenn man morgens direkt einen Überblick über seinen Tag bekommt. Wer zudem den Städtischen Abfallkalender abonniert hat, wird ab sofort auch nicht mehr vergessen die Mülltonne rauszustellen ;-)

Leider ist nur der Google Kalender integriert. Ich nutze vorrangig den iOS Kalender und hätte mir gewünscht, das auch dieser genutzt werden kann. Aber klar, über Workarounds (Kalender synchronisieren) geht das bestimmt auch alles.
Auch die aktuellen Schlagzeilen lassen sich dem Google Newsfeed entlocken und sollte man in UK wohnen, so könnte man sich auch die nächste (Straßen-)Bahnverbindung zur Arbeit anzeigen lassen.

Und damit kommen wir zu einem Kritikpunkt, denn im Gegensatz zum „Mirror OS“, welches bei den Selbstbauprojekten von Suner und Kevin auf dem Raspberry Pi zum Einsatz kamen, ist die „My SmartMirror App“ scheinbar nicht durch sogenannte „Plugins“ erweiterbar.
Heißt, weil die Entwickler aus UK sind, haben diese (natürlich) erstmal nur die Bahnverbindungen von UK integriert.
Durch Plugins oder InApps könnten sich aber auch andere Entwickler am Projekt beteiligen und so würde vielleicht auch der ein oder andere Nahverkehrsplan aus Deutschland den Weg in die MySmartMirror App finden.
Denn gerade diese Plugins sind es, die das „Mirror OS“ vom RaspberryPi so vielseitig machen. Dort zeigen Plugins (lies: Module) etwa den iOS Kalender an, oder das Livebild einer Kamera oder kennen die Spritpreise von der Tankstelle um die Ecke.
Mit wachsendem Interesse der Community, wächst auch die Anzahl verfügbarer Plugins und macht den Smart Mirror so immer vielseitiger und spannender.

My SmartMirror – Konfigurations-Screen

Eigene Android Apps

Ein Wermutstropfen des „My SmartMirror“ ist jedoch das verbaute Amazon Fire Tablet. Dieses werkelt auf Android, so dass man auch viele beliebige andere Apps installieren kann, welche man von seinem Handy bereits kennt.
Und so könnte der Smart Mirror im Handumdrehen auch das Dashboard der Smart Home App von Fibaro, homee oder HomeMatic anzeigen.

Einrichtung My SmartMirror Account

Damit der Spiegeleffekt bestehen bleibt, bietet sich natürlich die ImperiHome App an, welche ich hier vorgestellt hatte: Imperihome gestalte deine Fibaro Smarthome App selbst
Mit dieser lassen sich individuelle Dashboards in Punkto Design und Anzeigeelemente gestalten.

Alexa Sprachassistent

Und noch einen weiteren Vorteil bringt das integrierte Amazon Fire Tablet mit sich: Den Amazon Alexa Sprachassistenten.
Denn alle Fire Tablets unterstützen natürlich von Haus aus den eigenen Sprachassistenten. So genügt ein: „Alexa“  und der Sprachassistent erwartet die nächste Anweisung.
Da Wetter, Uhrzeit und Neuigkeiten bereits auf dem Spiegel angezeigt werden, könnte Alexa die Lieblings Playlist spielen, oder die Rolläden hochfahren, das Licht einschalten, die Temperatur der Heizung variieren und vieles mehr – eine Smart Home Zentrale vorausgesetzt.

Spieglein dreh dich

Auch ein ziemlich cooler Faktor neben dem relativ geringen Gewicht ist, dass sich die Anzeige automatisch dreht. Klar – es ist ein Tablet, dass macht es von Haus aus. Denk ich aber an mein Smart Mirror Projekt mit dem RasperryPi und dem Mirror.OS zurück, ist dass auf einmal ein cooles Feature, denn beim Mirror.OS musste ich freaky Konfigurationen via SSH ändern, damit die Auflösung und/ oder Ausrichtung geändert wurde.

Fazit

Desto mehr ich mich mit dem My SmartMirror beschäftige, finde ich es eine so viel coolere Idee, einen intelligenten Spiegel mit einem Tablet zu bauen, als es in vielen Bastelstunden mit einem Rasperry Pi zusammen zu schustern. Zum einen hat nicht jeder von uns die Skills via SSH irgendwas auf einem RasperryPi zu tun. Zum anderen verbraucht ein Notebook-Display ungemein viel mehr Strom (25 Watt Notebookdisplay, 10 Watt Tablet) für eine stupide Anzeige von Werten.

Nichtsdestotrotz gibt es viel Verbesserungspotential. Die App ist von den Basics „okay“. Wenn diese modular wäre, würden mit der Zeit sicher viele neue Funktionen durch die Community hinzukommen. Der Preis für den Spiegel scheint erstmal recht hoch, relativiert sich aber wenn man weiß, dass ein Tablet in ihm steckt.
Allerdings ist das auch nur ein Wermutstropfen, denn das Tablet im Spiegel ist nichts anderes als eine dumme Anzeigeeinheit. Richtig cool wäre es, wenn man das Tablet im Alltag verwenden könnte und der Spiegel eine Art Dockingstation zum laden des Tablets wäre. So könnte das Tablet in jeder Zeit, wo es nicht genutzt wird (was wohl die meiste Zeit des Tages ist) als Smart Mirror dienen.

In jedem Fall bin ich angefixt und werde mir noch einen neuen Smart Mirror bauen: Mit echtem Glas, einem Android Tablet und der My Smart Mirror App.

Hast du schon ein Smart Mirror gebaut? Ja? Wie hast du es umgesetzt? Schreib es in die Kommentare. wir sind gespannt!

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About The Author
crissxcross
crissxcross
Chris, Gründer und Blogger von siio. Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.
  • Frank
    23. Mai 2018 at 14:53

    Wieso ist es ein „Wermutstropfen“, wenn ein Tablet verbaut ist, das erweitert werden kann? Das ist doch dann eher ein Vorteil?!
    Ganz klasse: „die App kostet eine MARK und neununddreissig PFENNIGE“ 😂😂

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