Pellettracker: Füllstand des Pelletbunkers per Radar überwachen

Geschrieben von crissxcross
smaart-Haus

Reichen die Heizpellets noch über den kommenden Winter und wieviel Pellets verbrauche ich eigentlich an einem Tag? 🤔
Fragen die ich mir lange gestellt hatte, bis mein Pelletbunker smart wurde. Wie? Das liest du hier.

Seit wir 2019 in unser Haus gezogen sind, gibt es in der Haustechnik gefühlt nichts, was ich nicht via Smartphone in Echtzeit kontrollieren kann. 📊

Via Afriso TDM51F messe ich die Temperatur …

  • des Heizungsvorlauf
  • des Heizungsrücklauf
  • des Pufferspeichers
  • der Solarthermie

und lasse mir diese als Verlaufskurven im homee-Smart Home System auf dem Smartphone und PC anzeigen.

Auch den Wasserstand der Zisterne, welche das Regenwasser sammelt und damit unsere Toilettenspülung speist, kenne ich auf den Liter genau. Zuerst via TS-FT002 Ultraschall-sensor gemessen, nun via Afriso DTM20E via Luftdruckmessung und EnOcean Funk.

Und klar, jede Raumtemperatur, der CO2 Gehalt in den Räumen, und der Energieverbrauch vom Haus wird gemessen und via Smartphone dargestellt.
Aber das Essentiellste kenne ich nicht: Meine Heizkosten pro Monat! 🔥

Heizkosten per Radar messen

Jeder Hausbesitzer hält seine Energiekosten im Blick:

  • 💧 Wasserkosten
  • 🔌 Stromkosten
  • 🔥 Heizkosten

Für Wasser und Strom hat man einen Zähler, den man manuell oder mit etwas Aufwand auch digital auslesen kann.
Hat man eine Gasheizung, so kann man auch den Gasverbrauch am Zähler ablesen.
Hausbesitzer mit einem Öltank müssen sich da schon etwas selbst behelfen.

So könnte man den Öltank (wie auch ich meine Zisterne messe) mit dem Afriso DTM20E aufrüsten. Die Messwerte sendet das Gerät per EnOcean an ein Gateway, wie den homee.
So lässt sich aus dem Verlauf des Füllstands auch der tägliche Verbrauch herleiten.

Verlaufsdaten Zisterne oder Ötank – via Afriso DTM 20E

Eine andere Möglichkeit für Hausbesitzer mit einer Ölheizung wäre der Oilfox. Über den wir vor einigen Jahren hier berichtet hatten:

Jener Sensor kam dann in das Portfolio von der BayWa.
Und genau jene sind es, die auch mein Problem lösen konnten.
Denn unser Haus wird weder per Gas noch per Öl geheizt. Wir haben eine Pelletheizung.

Pelletkessel und Pufferspeicher

Dabei werden Holzpellets verbrannt, die zum Beispiel aus den Sägespänen von Holzverarbeitenden Betrieben gepresst werden.
Diese Holzpellets lagern in einem eigenen Raum oder Silo und werden von dort aus per Förderschnecke oder Ansaugverfahren in den Heizkessel eingebracht.

Die Herausforderung dabei ist: Die Oberfläche im Pelletbunker ist nicht gleichmäßig, wie es bei Flüssigkeiten der Fall ist.
Ganz in Gegenteil, es bildet sich im Pelletbunker eine Hügelige Landschaft aus den losen Pellets – sogenannte Schüttkegel.

Pelletlager – Oberfläche mit Schüttkegel

Wie soll man hier zuverlässig den Füllstand ermitteln? 🧐
Meine Suche bei Google war recht ernüchternd, da die meisten Treffer sehr teure Geräte waren.

Doch zeichnete sich ab, dass Radarwellen hier das geeignetste Messverfahren sein könnten.
Und genau darauf basiert der Pellettracker von BayWa.
Das Gerät misst einmal täglich per Radarwellen die Oberfläche und errechnet somit den Füllstand.

Der Pellettracker

Pellettracker – Radarmessung im Heizraum

Bei dem Gerät von der BayWa handelt es sich um ein Mietgerät.
Heißt, man zahlt nicht einmalig dafür, sondern monatlich 3,99 Euro.
Hintergrund dafür sind wohl die Messwerte, welche sowohl via WLAN als auch per Schmalband-Mobilfunknetz NB-IoT an die Pellettracker Plattform übermittelt werden. (Hier kostet der Mobilfunk und die Plattform sicher monatlich Geld dem Betreiber)

Pellettracker, Messung der Oberfläche samt Schüttkegel via Radar

Aber die gute Nachricht, kauft man seine Pellets bei der BayWa nach, erhält man 30 Euro Rabatt auf die Kosten und zahlt somit anstatt der 3,99 Euro monatlich, rechnerisch nur 1,49 Euro pro Monat. Das finde ich ist ein annehmbarer Preis und ein sehr smartes Geschäftsmodell.

Da ich nun endlich wissen will, wieviel Pellets ich pro Monat, oder sogar pro Tag verbrauche und wie lange mein Pelletlager noch ausreicht, bevor ich nachbestellen muss, habe ich mir den Pellettracker besorgt.

#Unboxing

Der Karton kommt echt schwer daher und nach dem Öffnen zeigt sich dafür auch der Grund.
Denn der Pellettracker ist aus einer Art Metallguss, was ihn sehr wertig erscheinen lässt.
Jedoch hat das verwendete Material wohl weniger etwas mit der Wertigkeit und dem Aussehen zu tun, als mit der Sicherheitsklasse.

Pellettracker: Solides Gerät aus Metallguss

Immerhin sprechen wir bei einem Pelletbunker von brennbaren Stoffen. Und so muss der Pellettracker Staubdicht nach IP66 und explosionssicher nach Zone 22, Ex II 3D Ex tc III B T6 Dc sein.

Pellettracker: Gerätehalterung aus Plastik

Weiterhin im Lieferumfang: das Handbuch, eine Montageplatte und Kabelbinder.
Oha- wozu denn Kabelbinder?

Pellettracker: Der Lieferumfang

#App

Vor der Montage wollte ich mir schon einmal die App ansehen und das Gerät mit der App verbinden.
App herunterladen und Account erstellen, was lediglich dieAngabe der eMail-Adresse errfordert.


Danach führt ein Wizard sehr präzise durch die Einrichtung, um den Pellettracker mit dem Account und wenn vorhanden mit dem eigenen, heimischen WLAN zu verbinden.

Klar, WLAN hat inzwischen so gut wie jeder daheim, aber reicht das auch bis in den Pelletbunker hinein?
Auch das prüft die App ab, indem sie einen auffordert, den Pellettracker erst einmal provisorisch im Pelletbunker zu montieren und die Türen zu schließen.

Pellettracker provisorisch montiert

Dann erfolgt ein Konnektivitäts-Test.
Wurde dieser erfolgreich bestanden, geht es an die Montage in finaler Position.

#Montage

Für Pellets gibt es recht unterschiedliche Arten der Lagerung.
Die wohl häufigste Form ist der Pelletbunker mit einer Förderschnecke, wie es auch bei mir der Fall ist. Daneben gibt es aber auch noch unterirdische Silos, oder Bunker mit Saugsonden.

Pelletlager mit Förderschnecke

Damit das Radar des Pellettracker exakt arbeiten kann, ist der Montageort entscheidend.
Wie man diesen auswählt, ist in dem recht ausführlichen Handbuch wunderbar beschrieben.

Handbuch des Pellettracker: Montagebeschreibung

Das wichtigste ist, das der Pellettracker nicht im Befüllstrahl montiert wird. Denn die Pellets werden beim Befüllen des Bunkers von einem Tankwagen aus mit Luftstrom eingeblasen.

Würde der Pellettracker in dessen Füllstrahl hängen, würde er beschädigt werden.
Auch wichtig ist, dass der Pellettracker in Richtung der Entnahmestelle misst.
So, mit all diesen Informationen im Gepäck, stellt sich nun die Frage nach dem „Wie?“ ❓

Wie montiere ich den Pellettracker nun im Bunker?

Hier kommt die Montageplatte ins Spiel. Denn auf jene wird der Pellettracker mit den zwei mitgelieferten Schrauben befestigt.

Pellettracker auf Montageplatte verschrauben

Die Montageplatte selbst kann entweder an die Decke des Pelletbunkers geklebt werden, oder aber, per Kabelbinder an dem Befüllrohr befestigt werden.

Klingt nicht schwierig, also hinein in den Bunker.

Maske auf im Pelletbunker

Achtung ⚠️
Bei Elektrischen Modulen schreibe ich an dieser Stelle immer, dass die Arbeit nur von Fachkräften ausgeführt werden soll.
Hast du einen Pelletbunker der ein Volumen von größer 10 Tonnen fasst, gilt das auch hier.

Aber auch bei allen anderen Pelletbunkern: Bitte führe diese Arbeit nicht allein durch!

Es sollte eine zweite Person den Bunker einsehen, während du darin arbeitest! Denn der CO2 Wert kann in einem Bunker sehr hoch sein – es droht Erstickungsgefahr ‼️

Ich hatte mich eigentlich für die Montageart am Befüllrohr eingeschossen, musste mich dann aber im Bunker umentscheiden.

Der Grund dafür: Obwohl der Pelletbunker gerade sehr leer ist, lassen dennoch die Staubrückstände an den Wänden erahnen, wie hoch der Berg der Pellets ist, wenn der Bunker gefüllt ist. Das geht bis an die Unterkante des Befüllrohres. So wäre der Pellettracker bei einem maximalen Füllstand unter den Pellets begraben.

Direkte Montage des Pellettracker ohne Montageplatte

Über dem Füllrohr war leider genug Platz für den Pellettracker.
Daher habe ich entschieden, den Montagfuß ganz wegzulassen und Pellettracker direkt an die Holzverkleidete Wand zu montieren.

Nach der Montage kann der Neigungswinkel eingestellt werden

Zwei Schrauben durch den (Plastik-)Fuß des Trackers, fertig.
Dann noch die Neigung des Pellettracker eingestellt – was über dessen Mechanik am Fuß möglich ist und das Ganze arretiert, fertig.

#Pelletbunker konfigurieren

Voila – wo die Montage nun am finalen Ort erfolgt ist, muss die App nun auch die Abmessungen des Bunkers kennen lernen.

Ich hätte also gleich drinbleiben sollen, um alles bestens nachmessen zu können.

So will die App neben dem Lagertyp (Silo oder Bunker mit Förderschnecke) auch die Breite, Länge und Höhe des Lagers kennenlernen. Sowie auch den Abstand des Pellettracker von der Wand und der Decke.

Auch ist die maximale Füllmenge in Tonnen gefragt.
ℹ️ By-the-way: 1 Tonne Pellets benötigen 1,5 m3 Lagerraum.

#Die App im Alltag

Nun heißt es auf die nächste Messung warten, denn der Pellettracker misst nur einmal täglich den Füllstand. Das spart Batterie – die übrigens so bis zu 5 Jahre halten soll und mehr als eine Messung am Tag ist auch gar nicht nötig.

Denn die Schnecke fördert 1x täglich eine Menge Pellets in den Kessel als Vorrat, der dann über den Tag verbrannt wird.

Leider konnte ich bislang keine Möglichkeit finden, die Messung des Pellettracker auf die Füllzeit meiner Heizung anzupassen.

In der App wird jeweils für die erste Messung des Monats ein Balken dargestellt. Hat die App 2 Monate lang gemessen, gibt es wohl auch eine Prognose für die nächsten 3 Monate, dessen Balken dann wohl grau dargestellt werden.

Was man aber jederzeit machen kann, ist ein Download der Verbrauchsdaten. Dabei wird einem an die hinterlegte eMail-Adresse eine csv Datei gesandt, in welcher der tägliche Füllstand in mm und die daraus errechnete Lagermenege in Tonnen ausgegeben wird.

Täglicher Füllstand via CSV

Ich habe nun meine ersten 3 Tage mit dem Pellettracker „hinter mir“ und finde die Möglichkeit, den Füllstand der Pellets via App zu sehen sehr cool.

Da 3 Tage natürlich gar nicht aussagekräftig sind, habe ich mir vorgenommen, dir in 180 Tagen ein Update zu geben. Dann haben wir Oktober, der Pelletbunker wurde befüllt und wir sind wieder mitten in der Heizsaison.

Apropos Pelletbunker befüllen: Die Preise der Pellets schwanken am Markt ähnlich wie dem von Öl. Derzeit vergleiche ich hier die Preise. Cool fände ich es, wenn der Pellettracker (so wie es beim Oilfox möglich ist) eine Prognose des Verbrauchs erstellt und den besten Zeitpunkt zum Nachkaufen der Pellets berechnet.

Ob das Feature noch kommt?

Also, stay tuned!

Diesen Blogpost hat geschrieben ...

crissxcross

Chris, Gründer und Blogger von siio.
Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.

Gib deinen Senf dazu!