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Auch wenn sich im Smart Home vieles darum dreht, was innerhalb der eigenen vier Wände passiert, so sind die Wettereinflüsse ein wesentlicher Faktor für die Hausautomatisierung. Ich habe mir den Eltako Wettersensor mit EnOcean Funk am homee angelernt.

Sei es die Bewässerung, welche bei Regen aussetzen soll, oder die Jalousien welche bei hohem Wind schützend vor die Fenster fahren müssen. Das Wetter ist ein extrem wichtiger Faktor in der Hausautomatisierung.

Bisher nutze ich den netatmo Wind– und Regenmesser und bin auch großer Fan des energieautarken Z-Wave Wettersensors „Z-Weather„.  Aber wie es immer ist, hat jedes dieser Geräte seine Vor- und Nachteile.

Die netatmo Geräte sind im Design wirklich schick und können dank dem genormten Stativ-Gewinde (wie es die meisten DSLR Kameras haben) einfach auf diversen Halterungen montiert werden. Jedoch verwendet netatmo ein eigenes Funkprotokoll, weshalb dessen Geräte nicht nativ in andere Smart Home Systeme integriert werden können. Mithilfe der netatmo API lassen sich die Messwerte wie Windgeschwindigkeit, Windböengeschwindigkeit, Regenmenge, Luftfeuchtigkeit, Außentemperatur, usw. dennoch abgreifen und in den verschiedenen Smart Home Systemen nutzbar machen. Sofern von den Systemen implementiert. Nachteil: Die netatmo Geräte melden nicht sofort die neuen Werte an die Basis, sondern reporten diese in einem 10 Minuten Zeitintervall. Weitere Hürde: Die Zugriffe auf die API sind begrenzt, weshalb diese auch nur aller 10-15 Minuten von den Smart Home Systemen abgerufen werden. Naja, und das die Messwerte erstmal über die Internetverbindung an den netatmo Server geschickt werden, bevor diese vom Smart Home System aus der Cloud wieder eingelesen werden, ist auch nicht gerade produktiv im Hinblick auf ein autarkes System.

Netatmo Wind- und Regenmesser.

Bleibt noch der Blick auf den Z-Weather, von welchem ich – wie schon gesagt- ein großer Fan bin. Allerdings hat auch dieser seine Nachteile.
Aber man soll ja bekanntlich immer mit den positiven Eigenschaften beginnen. Da wäre auf jeden Fall die extrem einfache Montage zu nennen. Da der Z-Weather dank Solarpanel völlig autark arbeitet, müssen keine Kabel gezogen oder Batterien getauscht werden. Das heißt: Geeignete Stelle suchen, anschrauben fertig.
Neben Messwerten zu Windgeschwindigkeit, liefert der Z-Weather auch die Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, den Luftdruck, den Taupunkt und ein paar spezielle Werte wie den Pulscount, sowie den Solarertrag pro .

Alle Beiträge zum Z-Weather auf siio.de findest du hier.

Da der Z-Weather aber mit der Energie auskommen muss, die er über das Solarpanel „erntet“, variiert der Aufwachintervall. Zwar hält er immer genügend Energie vor, um beim überschreiten des eingestellten Grenzwertes (Paramter) aufzuwachen und an die Assoziationsgruppe zu melden (ja auch an die Lifeline – also das Gateway), aber als Wetterstation ist der Z-Weather damit nicht zu gebrauchen. Dazu kommt noch das schwarze Gehäuse, welches die Temperaturwerte stark verfälscht und die Helligkeitswerte werden ungenügend über die erzeugte Spannung vom Solarpanel „gemessen“.
Eine Regenerkennung fehlt leider.
Zudem wird auch nicht die durchschnittliche Windgeschwindigkeit an das Gateway reportet, sondern die höchste Windgeschwindigkeit (Windböe) seit dem letzen Wakeup.
Kurzum: Für eine Jalousiesteuerung ist der Z-Weather dank direkter Z-Wave Anbindung und einstellbarer Schwellwerte gut zu gebrauchen.
Für Hobbymeteorologen ist wohl die netamto Wetterstation die bessere Wahl. Dafür scheidet diese für Automatisierungen wie die Jalousiesteuerung oder Warnung bei einsetzendem Regen aufgrund der verzögerten Werteübermittlung via API aus.

Die Eltako Wetterstation mit EnOcean

Die Anforderungen an eine Wetterstation hätten wir damit definiert:

  1. Einfache Montage
  2. Lokale, schnelle und zuverlässige Messwert-Übermittlung
  3. Erfassung der wichtigsten Wetterdaten: Sonne (Lufttemperatur) und Helligkeit, Regen, Wind

Im geheimen war ich seit meinem Test des Rademacher Umweltsensor schon mega neidisch auf die Homepilot Nutzer, das die eine so geile Wetterstation einsetzen können.
Der Rademacher Umweltsensor kann an der Hauswand, sowie auch alternativ an einem Mast montiert werden und misst neben der Außentemperatur auch den Wind. Zudem erkennt er dank beheizter Regensensorfläche nicht nur Regen, sondern auch Niederschlag im Winter (lies: Schnee).

Und dann lief ich auf der Light & Building über den Stand bei Eltako und sah eine, zum Rademacher Umweltsensor baugleiche Wetterstation mit EnOcean Funk, welche mit homee funktionieren soll. Die muss ich testen!

Eltako Wetterstation im Test

Was als erstes auffällt ist, dass das EnOcean Funkmodul nicht in der Wetterstation selbst verbaut ist, sondern gesondert in Form eines Unterputzmoduls dazugekauft- und mit der Wetterstation verkabelt werden muss.
Ob das cool ist? Nun, es ist schwer hier eine Wertung zu finden, denn dies ist völlig von der Installationsumgebung abhängig. Ich denke oftmals kann es von Vorteil sein, einen perfekten Platz für die Wetterstation ganz unabhängig von der Funkreichweite zu finden.

Im Gegensatz zum Z-Weather kann man hier aber nicht einfach losgehen und die Wetterstation an die Wand dübeln – denn es müssen Kabel verlegt werden.
Genau genommen braucht es mind. ein 4-adriges Telefonkabel mit starren Adern.
Was extrem positiv auffällt, ist die wirklich einfach gehaltene Montage. Das macht sich zum einen bei der Steckleiste in der Wetterstation bemerkbar, welche für die einfachere Installation abgenommen werden kann – und in welche die abisolierten Enden des Kabels ganz einfach in Wagoklemmen ähnliche Buchsen gesteckt werden. Zum anderen sind die Buchsen der Steckleiste, sowie die Eingänge des EnOcean Funkmoduls (entschuldige den Ausdruck) – idiotensicher beschriftet.
Der Eingang A und B ist für die Datenkommunikation, wobei A mit A verbunden wird und B mit.. naja du weist schon.
Der Eingang 1 und 2 ist für die Spannungsversorgung – übrigens 24Volt Gleichspannung. Passend dafür gibt es von Eltako auch das SNT61-230V/24VDC Unterputzmodul. Es tut aber auch ein 24V Steckernetzteil.
Die Spannungsversorgung ist zum einen für die beheizte Regensensorfläche wichtig, zum anderen ermöglicht dies die fast Sekundengenaue Übermittlung der Messwerte an das Gateway – in meinem Fall dem homee.

Der Rademacher Umweltsensor hingegen wird direkt mit 230V versorgt. Er hat aber auch ein Relais integriert, das bei Regenerkennung, oder bei zu hohem Wind, direkt und völlig unabhängig vom Gateway, beispielsweise eine Markise einfahren kann.

Montageort

Der direkte Anschluss von 230V hat natürlich Charme. So könnte man den Wettersensor im Aussenbereich beispielsweise in die Nähe einer Außenlampe setzen.

In meinem Fall fand ich an der Hauswand eine bestehende Mauerdurchführung, so dass ich den Wettersensor an der Außenwand montieren konnte und das EnOcean Modul Platz auf dem Dachboden, in einer Abzweigdose fand.

Bei der Auswahl des Montageorts ist zu beachten, das nach Ende eines Regenschauers keine Wassertropfen mehr von Überbauten oder ähnlichem „nachtropfen“ können.

Wenn ich Wünsche an das Eltako Team äußern dürfte- dann wünsche ich mir ein „All-in-One“ Modul, welches das EnOcean Funkmodul und das Netzteil in einem Element vereint, dass einfach in dass Gehäuse des Wettersensors passt. So könnte man dieses ohne Abzweigdose an der Aussenwand installieren. Ja quasi Steckerfertig für alle „Nicht-Bastler“ und „Nicht-Installateure“! Einfach an die Wand hängen, Stecker in die (Aussen-)Steckdose fertig.

Anlernen und Messwerte im homee

Das Anlernen ist denkbar einfach. In der homee App unter dem Menüpunkt Geräte auf das Plus (+) Symbol und dann die EnOcean Kachel wählen. Jetzt die Eltako Wetterstation suchen, [Start] Button klicken und die Wetterstation mit dem Stromnetz verbinden. Blubb, da ist sie schon. Namen und Icon wählen, fertig.

Im homee stehen nun die Messwerte:

  1. Temperatur (Lufttemperatur in °C)
  2. Windgeschwindigkeit (in km/h)
  3. Regen (Regen erkannt / kein Regen)
  4. Helligkeit (0-999 Lux)

Wie bereits beschrieben, werden die Messwerte (dank der dauerhaften Stromversorgung) live an den homee übermittelt.
So wird nicht nur aufbrausender Wind schnell an das Gateway gemeldet, um darüber Markisen ein- und Jalousien schützend vor die Fenster zu fahren, auch Regen wird sofort gemeldet, nachdem der erste Tropfen auf die Sensorfläche gefallen ist. Durch die beheizte Sensorfläche wird aber auch sofort gemeldet, wenn der Regen zuende ist.

In Punkto Helligkeit kann der Sensor mit seinen Werten bis 999Lux im homee gut als Dämmerungsschalter genutzt werden.
Prinzipiell könnte der Sensor wohl auch die Helligkeit nach Himmelsrichtung erfassen, was im homee Gateway jedoch nicht implementiert ist.

Anwendungsbeispiele

In meinem letzten Artikel beschrieb ich meine Bewässerungssteuerung, welche ich über den Gardena Wasserverteiler automatic realisiert habe. Nicht ganz unwichtig dafür ist die Erkennung von Regen. Schließlich soll die Gartenbewässerung bei einsetzendem Regen ausgeschaltet werden. Dank der Eltako Wetterstation kann ich nun eine laufende Bewässerung stoppen und den Bewässerungszeitplan deaktiveren. Natürlich weiß ich durch den Eltako nur dass es geregnet hat – aber nicht wieviel Niederschlag gefallen ist. Dafür habe ich weiterhin die netatmo Wetterstation mit Regenmesser im Einsatz. Anhand dieser Werte (ist die Regenmenge unter 0,5mm), wird die Bewässerungssteuerung wieder aktiviert.

Und auch meinen Rasenmähroboter kann ich bei Erkennung von Regen zurück zur Dock schicken, bzw. den geplanten Start abbrechen.

Für all jene die Dachfenster haben ergibt sich noch ein ganz anderes praktisches Anwendungsbeispiel:

WENN 🌧Regen DANN 📲Pushnachricht -> 🏡Fenster schließen! 😉

… und das klappt dank beheizter Sensorfläche auch im 🌨Winter.

tl;dr

Wer auf Messwerte wie Taupunkt oder Luftdruck verzichten kann, sollte sich als Alternative zum Z-Weather (UVP 169,- EUR) auf jeden Fall mal die Eltako Wetterstation ansehen. Sie misst nicht nur die Außentemperatur, sondern auch die Windgeschindigkeit und bringt eine zuverlässige Regenerkennung mit. Der Helligkeitswert eignet sich als Dämmerungsschalter um die Außenbeleuchtung Abends ein- oder Morgens auszuschalten.

Die Installation ist auch für nicht Bastler machbar. Wünschenswert wäre eine „All-in-One“ Version.

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About The Author
crissxcross
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Chris, Gründer und Blogger von siio. Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.
13 Comments
  • Olli
    2. Mai 2018 at 8:05

    Na ja, 290€ ist aber auch kein Schnapper, denn noch ohne Luftdruck, auch die Möglichkeit der Dastellung in einer Wetter App oder in einen Wanddysplay wie es mit Netatmo möglich ist, würden mir fehlen, Netatmo habe ich aber wieder verkauft, wegen des ungenauen Windsensors und bei Unwetter kann es zu Stromausfall kommen und man hat dort keine Daten mehr.
    Ist halt nicht alles gute beisammen, schade eigentlich das man da nochnit was vernünftiges am Markt hat.

    • crissxcross
      2. Mai 2018 at 14:49

      nun, wenn man sich die Preise anderer Wettersensoren (lies: netatmo) anschaut, ist man auch bei den 300 Euro.
      Wenn man in den Tiefen des Internet sucht – Idealo und co – bekommt man die Eltako für ca. 170 Euro + Funkmodul für 35 Euro. Ein Steckernetzteuil sollte nicht mehr als 10 Euro kosten.
      Ich halte den Preis für fair.

  • Michael K.
    2. Mai 2018 at 17:56

    hallo, super so was suche ich auch für meine HC2, läßt sich deine Lösung auch in ein HC2 integrieren?

  • jeep
    12. Mai 2018 at 14:36

    Hi, 999 Lux sind für mich ein Nogo, oder hqb ich da wsa falsch verstanden?

  • deepzone
    6. Juni 2018 at 20:32

    Vielen Dank für den tollen Bericht!
    Wie sicher bist Du dir mit der z-Wave Version bzw. gibt es schon mehr Infos oder ein genaueres Datum?
    VG

    • crissxcross
      10. Juni 2018 at 16:59

      sehr sicher, aber einen Termin kenne ich noch nicht.

    • crissxcross
      11. Juli 2018 at 23:37

      ich hoffe ich verrate nicht zuviel, aber ich halte seit heute das erste Pre-Sample der Z-Wave Version in der Hand.
      Sieht sehr gut aus! Alles fix verbaut, Zuleitung 230V nötig, welche innen auf Wago Klemmen gelegt werden.
      Kann also nicht mehr so lange dauern bis es in den Markt kommt.

      • MiWa
        12. August 2018 at 16:31

        Hi, wie läuft der Test? Gibt es schon eine ungefähre Aussage, wann die Wetterstation mit Zwave erhältlich ist?
        VG
        MiWa

  • Stev
    3. Juli 2018 at 9:43

    Hi,

    mich würde interessieren wie gut die Temperaturmessung ist. Der Sensor hängt ja nun sinnvoller Weise unter Umständen direkt in der Sonne. Hast du das mal mit einem Sensor, der wirklich den ganzen Tag über im Schatten hängt und vielleicht sogar auf der Nordseite vergleichen können?

    • crissxcross
      3. Juli 2018 at 12:59

      Guter Punkt. Bei mir hängt der Sensor sehr Schattig. Zwar nach Osten ausgerichtet aber durch ein Nebengebäude verschattet.
      Ich kann nur soviel sagen: An der gleichen Wand hängt am Giebel der Z-Weather, dessen Werte utopisch sind, während der Eltako scheinbar sehr solide Werte liefert.

      • Stev
        4. Juli 2018 at 20:56

        Na das hört sich ja schon mal gut an. Ich denke, dass ich mir trotzdem noch zwei Eltako Lufttemperatur und Feuchtesensoren auf die Süd und Nordseite in den Schatten hängen werde um zu wissen, ob ein Fenster geöffnet werden soll zum lüften oder nicht. Hatte halt erst überlegt Wind und Regen sowie Helligkeit über einen Z-Uno und demtensprechendes Zubehör umzusetzen. Naja dann werde ich wohl doch ein Enocean Würfel holen und den MS. Weniger Bastelei :-).

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