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Review

MIYO: smarte Gartenbewässerung im Praxistest

by 22. Juli 2018
Postiv

+ gute Verarbeitung
+ leichte Installation und Montage
+ hohe Intelligenz bei der Bewässerungssteuerung
+ IFTTT Integration

Negativ

- hoher Anschaffungspreis
- neben Solar keine Alternative Spannungsquelle
- keine manuelle / lokale Bedienung möglich

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Installation
Funktionsumfang
Bedienung
Nutzen
Preis-Leistung
Fazit

Wer lieber relaxen möchte, anstatt sich um seinen Garten zu kümmern, der sollte sich MIYO ansehen. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

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Ein neues Startup macht deinen Garten smart – dank dem Bewässerungssystem MIYO, dass ich für dich getestet habe.

Endlich ist er wieder da – der Sommer! Es ist nicht nur die Zeit von (hoffentlich) viel Sonne und schönem Wetter, sondern auch die von Strand und Urlaub. Aber wer kümmert sich um den heimischen Garten, wenn du unterwegs bist? Den englischen Rasen pflegt der Rasenmähroboter. Aber wie schaut es mit der Bewässerung von Blumen und Büschen aus?

Auch dafür gibt es heute bereits die eine oder andere Möglichkeit – auch wenn die Auswahl weiterhin recht überschaubar ist. Willst du nicht mit klassischen Magnetventilen herumbasteln (wie ich es im letzten Jahr in diesem Tutorial gezeigt habe) kannst du z. B. das smarte Bewässerungssystem von Gardena nutzen, dass ich dir bereits hier auf siio.de vorgestellt habe:

Alternativ setzt du den Eve Aqua für HomeKit ein, den wir vor wenigen Tagen in diesem Test vorgestellt haben.

Oder du setzt auf den neuen Herausforderer namens MIYO. Dieser bietet, ähnlich wie Gardena und im Gegensatz zu Eve, ein ganzes System aus Gerätschaften, die sich um deinen Garten und dessen Grün kümmern. Aber was hat MIYO zu bieten und wie schlägt es sich in der Praxis? Genau das habe ich mir angeschaut!

MIYO ausgepackt

Holst du MIYO zu dir nach Hause, bekommst du ein Paket mit folgendem Inhalt:

  1. einem Cube (die Steuerbox)
  2. einem Bodensensor
  3. und einem Magnetventil für den Außenwasserhahn.

Alle Geräte machen optisch einen hochwertig verarbeiteten Eindruck. Allerdings sind sie allesamt auch sehr leicht – für meinen Geschmack und mit Assoziationen zu Haptik und Wertigkeit im Hinterkopf sogar etwas zu leicht.

Noch ein weiterer Kritikpunkt, der mir bereits vor dem ersten Ausprobieren aufgefallen ist: Sowohl der Bodensensor als auch das Magnetventil beziehen ihre Energie aus integrierten Solarzellen. Wie sich dies bei einer schattigen Lage auswirkt, muss sich individuell zeigen. Die integrierte Energiequelle ist fest verbaut und nicht als Batterie (wie bei Gardena) austauschbar. Vorteil dafür ist, dass die Geräte komplett vergossen sind und damit Wind und Wetter trotzen (bis auf Frost).

Die Installation

Nach den ersten Eindrücken folgt die Installation. Hierfür musst du zunächst den Cube per Netzwerkkabel mit deinem Router verbinden. Die Sensoren und Ventile verbinden sich dann per herstellereigenem Funksystem mit der Steuerungseinheit. Leider kann der Cube aber nur per LAN ins heimische Netzwerk integriert werden, nicht per WLAN. Das ist schade, denn so ist die Positionierung doch recht unflexibel.

Die Folge: Für meinen ca. 25 Meter vom Haus entfernten Garten habe ich eine WLAN Bridge benötigt. Die befindet sich in meiner Garage, die glücklicherweise in unmittelbarer Nähe zum Garten ist. Dort ist nun der MIYO Cube angeschlossen, der neben der Netzwerkverbindung zudem als einziges Gerät aus dem Trio auch einen Stromanschluss benötigt.

Der nächste Schritt ist der obligatorische Download der App, die es für iOS und Android kostenlos in den jeweiligen Stores gibt. Nach dem Herunterladen musst du dich erst einmal registrieren und so ein Nutzerkonto eröffnen. Das finde ich nicht so toll.
Aber immerhin kann der Betrieb später auch ohne Cloud erfolgen. So funktioniert deine Bewässerung auch weiterhin, selbst wenn mal das Internet ausfällt. Das wäre aber auch ein No-Go, wenn die Bewässerung von der Internetverbindung abhängig wäre…

Hast du einen Nutzeraccount erstellt, drücke den Button auf der Rückseite des Cubes, um diesen in den Pairing-Podus zu versetzen. Dann scannst du über die MIYO App noch den QR-Code auf der Geräteunterseite, um den Cube beim MIYO Server anzumelden.

Danach folgt dann noch die virtuelle Konfiguration deines Gartens. Neben der Vergabe eines kreativen Namens muss das System auch deine Adresse erfahren. Dies ist für eine präzise Wettervorhersage notwendig, aber vermutlich allen Datenschutz-Pingeligen ein Dorn im Auge. Wäre WLAN mit an Bord, könnte das System den Standort hingegen theoretisch selbst bestimmen, da dies anhand eines WLAN Netzwerkes möglich ist. Aber das nur am Rande.

Einrichten von Bewässerungsbereichen, Sensoren und Ventilen

Nachdem das System nun in der Theorie startklar ist, geht es an das „Feintuning“. Du kannst deinen Garten nun mehrere Bewässerungsbereiche zuweisen, die jeweils einem Ventil zugeordnet werden.

Diese müssen hierfür aber erst einmal mit dem Cube verbunden werden. Um dies zu vollziehen, legst du den mitgelieferten Magneten mittig auf den obersten Rand der Solarzelle des jeweiligen Ventils. Was etwas komisch klingt, dient dazu einen sogenannten Reed Kontakt zu schließen und so den Anlernvorgang des Ventils zu starten. Angezeigt wird dies durch eine grüne LED am Ventil selbst. Dann nimmst du die App zur Hand und startest über „Suchen“ den Suchvorgang, um die beiden Geräte miteinander zu verbinden.

Ventil wird via Magnet in Anlernmodus versetzt

Auch der Bodensensor muss natürlich noch hinzugefügt werden, was analog über den gleichen Anlernvorgang via Magnet erfolgt. Willst du hingegen einen Bereich ohne diesen Sensor verwenden, kannst du diesen Schritt der Konfiguration auch einfach mit „Weiter“ in der App überspringen. Allerdings ist der Bodensensor für die bedarfsabhängige Steuerung erforderlich.

Vorteil MIYO: Im Gegensatz zum Bewässerungssystem aus dem Hause Gardena werden bei MIYO nicht einfach nur Bewässerungszeiten ausgelassen, wenn der Sensor einen ausreichend feuchten Boden meldet. Sondern es werden für die Entscheidung pro oder contra Bewässerung auch die Bodenbeschaffenheit, die Wettervorhersage und die lokalen Sensordaten herangezogen. Damit liegt das junge Startup gegenüber dem Platzhirsch vorne.

Aber zurück zur Einrichtung per App. Im nächsten Schritt kannst du dann noch Informationen über die Bodenbeschaffenheit, zu bewässernde Pflanzenart, verwendeter Bergner und mehr eingeben. Im letzten Schritt wählst du dann noch Zeiträume für jeden Wochentag, in denen dein Garten bewässert werden darf. Diese sollten natürlich nicht mit dem Fahrplan eines Mähroboters kollidieren, damit dieser nicht unfreiwillig vom Rasensprenger geduscht wird.

Kleiner Kritikpunkt: Bei der Eingabe der Zeiträume pro Wochentag hätte ich mir eine „kopieren“-Funktion gewünscht, da sich die Einstellungen vieler Tage (vor allem unter der Woche) doch sehr ähneln.

Montage des Ventils

Nachdem alles soweit eingerichtet ist, müssen die Gerätschaften nun noch an Ort und Stelle. Das Ventil schließt du einfach an einen Außenwasserhahn an. Zum Einsatz kommt hier eine handelsübliche Schnellkupplung, so dass auf der anderen Seite auch ganz einfach der Wasserschlauch angeschlossen werden kann. Die Passform ist aufgrund der hochwertigen Verarbeitung perfekt, sodass alles dicht ist. Mindestens wird ein Wasserdruck von 0,5 bar benötigt. Maximal hält das Ventil 8 bar stand.

An dieser Stelle ist es dann auch mal wieder Zeit für einen negativen Aspekt, der mir leider aufgefallen ist. Es gibt keine Möglichkeit, die Wasserversorgung manuell am Ventil einzuschalten. Das ist nicht wirklich praktisch, da du so das Ventil immer erst abbauen oder dein Smartphone zur Hand nehmen musst, wenn das Wasser mal ohne smarte Steuerung fließen soll. Über die App ist das manuelle Schalten des Magnetventils natürlich möglich. Allerdings gab es in meinem Test eine unschöne Verzögerung von stolzen 10 bis 30 Sekunden.

Aufstellen des Bodensensors

Als dritte Komponente erfolgt nun noch das Aufstellen des Bodensensors, der neben der Bodenfeuchtigkeit auch die Lufttemperatur und die aktuelle Helligkeit misst. Hierbei solltest du ihn nicht wie ein Erdnagel in den Boden rammen, sondern ihm ein kleines Loch ausheben, und dann den Bodensensor mit lose aufgefüllter Erde hineinstecken.

Positiv ist mir in meinem Test aufgefallen, dass die sensorgesteuerte Bewässerung sehr gut funktioniert hat. Neben der Bodenfeuchtigkeit haben auch die während der Konfiguration gewählte Bodenbeschaffenheit sowie die aktuelle Wettervorhersage einen Einfluss auf die Bewässerungsdauer. Dies hat dieses System dem großen Kontrahenten Gardena voraus. Ebenfalls nett für alle Hobby-Meteorologen und Statistik-Fans: Im Bereich „Statistik“ kannst du dir ein Verlaufsdiagramm der Messwerte grafisch darstellen lassen.

Vergleich MIYO Bodensensor vs. Koubachi

Hierbei ist MIYO auch selbst für sehr große Gärten und Grundstücke bestens geeignet. Denn theoretisch (und bei entsprechendem Geldbeutel auch praktisch) kannst du bis zu 255 Geräte über den Cube verwalten. Da das Starterset aus Cube, Ventil und Bodensensor bereits mit 349 Euro zu Buche schlägt, dürfte dies am Ende aber ein recht teures Vergnügen werden. Im Einzelkauf kosten sowohl das Ventil als auch der Bodensensor je 119 Euro. Preislich liegt MIYO damit auf einem vergleichbaren Niveau wie Gardena.

In einer Hinsicht hat Gardena aber natürlich deutlich die Nase vorn. Denn dieser Hersteller bietet weit mehr als ein smartes Bewässerungssystem. So lässt sich der eigene Garten auch noch mit weiteren Produkten wie einem Sileno Mähroboter, Gardena Wasserpumpen, den Zwischensteckern sowie Geräten von Drittanbietern (z. B. die Außenkamera von Netatmo) umfassender smart machen.

Der MIYO Bodensensor in meiner „Gurkenecke“

MIYO muss ich an dieser Stelle hingegen zugutehalten, dass das System mit dem Online Automatisierungsdienst IFTTT kompatibel ist. Somit können auch andere Geräte oder Smart Home Systeme die Bewässerung in eurem Garten steuern. Auch eine Regenerkennung kann via IFTTT an das MIYO System gesendet werden. So lässt sich z. B. eine Verknüpfung mit der netatmo Wetterstation realisieren.

Mein Fazit zu MIYO

Das junge Startup MIYO macht mit seinem Bewässerungssystem auf jeden Fall viel richtig. Ein paar Kritikpunkte musste ich leider feststellen. In Sachen Intelligenz hat es aber hingegen sogar gegenüber Gardena die Nase vorn. Dies lässt sich MIYO allerdings auch auf gleichem Niveau wie die Liga der Großen bezahlen. Dennoch macht das System am Ende viel richtig und ist auf jeden Fall eine gute Lösung für eine smarte Gartenbewässerung.

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crissxcross
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Chris, gelernter IT-Systemelektroniker. Inzischen seit vielen Jahren im Produktmanagement tätig, spezialisiert auf Smart Home. Familienvater, ein Sohn. Apple Fan. Raus aus Dresden genießt er das Landleben in der sanierten "Kirchmühle". Historie tirifft smarte Technik.

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