Welock Touch41 im Test – Sicher und Günstig – Geht das?

WeLock Touch41 im Test
WeLock Touch41 im Test
Geschrieben von Martin Bär

Im Test konnte ich das Welock Touch41 auf seine Fähigkeiten prüfen. Das smarte Schloss schickt sich an zahlreiche innovative Funktionen zum fairen Preis zu bieten. Der Straßenpreis des Touch41 (auch zu finden unter TouchEBL41) liegt aktuell bei ca. 150€ (Stand Dez. 2023). Auf den ersten Blick muss der Nutzer kaum Abstriche machen. In meinem Test konnte ich diese Fähigkeiten unter die Lupe nehmen und mir ein Urteil bilden, das sowohl positive Aspekte als auch negative zum Vorschein brachte. Im Folgenden erfahrt ihr welche.

Getauscht wurde ein KESO 4000 an einer Nebeneingangstüre. Neben diesem Nutze ich ein SmartLock von SwitchBot, das mir als Referenz dient. Das Schloss und sämtliche weiteren Komponenten in meinem Smart Home sind in iO-Broker integriert.

In diesem Artikel

  1. Unboxing & Lieferumfang
  2. Montage
  3. Stromversorgung
  4. Software und Inbetriebnahme
  5. Technische Daten
  6. Pro/Kontra
  7. Fazit zum Test des Welock Touch41
  8. Quellen

Unboxing & Lieferumfang

Die Verpackung des Welock Touch41 ist wertig, stabil und schlicht. Die einzelnen Komponenten sind ordentlich und gut geschützt.

Im Paket findet man zunächst folgende Komponenten:

  1. Schließzylinder
  2. Zubehör
  3. Handbücher (Deutsch. Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch)

Zudem sind weitere Zubehörteile für den späteren Einsatz und die Montage enthalten

  1. 3x RFID-Karten
  2. Kreuzschlitzschraubendreher
  3. Inbusschlüssel
  4. Nadel zum Reset
  5. 2x Gummistopfen
  6. 2x Schrauben für das Batteriefach (eine verbaut)
  7. 2x Schrauben für den Bedienknauf (eine verbaut)

Das Zubehörset des Welock Touch41 hat mich im Test positiv überrascht, es ist wirklich alles vorhanden, was man zur Montage braucht, selbst die Befestigungsschraube des Zylinders im Rahmen lässt sich mit dem beigelegten Kreuzschlitzschraubendreher lösen und wieder anziehen.

Schade ist nur, dass keine Batterien beiliegen. Das führt im Zweifel zu einer unnötigen Fahrt mehr. Man sollte also am besten vor der Bestellung den Lieferumfang gecheckt haben und diese gegebenenfalls mit bestellen.

Montage

Wer bereits einen Schließzylinder gewechselt hat, wird mit der Montage des Touch41 keine Probleme haben. Die Anleitung ist großzügig bebildert und jeder Schritt auch zusätzlich beschrieben.

Leider sind die einzelnen Schritte nicht chronologisch gelistet. Zuerst sollen die Batterien eingesetzt werden. Man wird mit einem Piepsen begrüßt und im Display soll man die Sprache wählen, wie dies geht wird nicht erwähnt (Spoiler: man ändert über die „Wecktaste“ und nach einer Weile wird die Auswahl gespeichert). Warum dieser Schritt als erstes erfolgen soll ist mir unklar, während der weiteren Montage stört das ständige Aktivieren/Piepsen und ich hatte ständig Angst aus Versehen etwas zu verstellen. Anschließend soll man den Abstand des Außen-/Bedienknopfs einstellen. Zu dem Zeitpunkt kann man die Länge aber gar nicht exakt wissen.

Der alte Zylinder wird ausgebaut in dem man die Befestigungsschraube aus dem Türblatt entfernt, den Schlüssel/Knauf ein paar Grad dreht um den Schließbart in Flucht mit dem Zylindergehäuse zu bringen und den Zylinder rauszieht. Komischerweise wird diese essentielle Drehung in der Anleitung nicht erwähnt. Ohne Erfahrung werden hier die ersten Anwender Probleme bekommen. 

Sowohl der Innen- als auch der äußere Bedienknauf lassen sich mit Hilfe des Inbusschlüssels verschieben. Der größte Abstand (und damit dickste Türbreite) sind 120mm, an der Anleitung stehen allerdings nur 100mm.

Der Zylinder hat eine Breite von 70mm, bei einer 3 (innen) zu 5 (außen) Teilung. Laut Anleitung ist die Mindesttürdicke 50mm. Bei dünneren Türen stände der Zylinder zu weit raus und kann sicher einfach abgeknackt werden. Liest man Bewertungen online, so kommt es in der Tat ab und an zu Abweichungen, die Nutzer unzufrieden stellten.

Ein Manko des Welock ist, dass sich der Zylinder nicht verlängern lässt. Dadurch wird er, in einem dicken Türblatt, nicht komplett geführt und kann schief in der Türe sitzen. Dies verstärkt sich beim Anziehen der Befestigungsschraube noch mal. Hier hätte ich mir modulare Verlängerungen gewünscht.

Final kann man die Länge des Drehknaufs justieren, fertig!

Stromversorgung

Das Welock Touch41 wird über 3xAAA Batterien mit Strom versorgt. Dies ist einerseits praktisch, da keine aufwendige Verkabelung erforderlich ist und AAA-Batterien quasi überall zu kaufen sind. Andererseits kann diese Art der Stromversorgung potenziell zu regelmäßigem Batteriewechseln in der Zukunft führen. Laut Hersteller soll eine Batterieladung für 10-12 Monate halten, was einigermaßen lang ist, sodass man nicht ständig mit dem Batteriewechsel beschäftigt sein wird. Zudem wird der Benutzer rechtzeitig durch eine Benachrichtigung auf dem Display über den niedrigen Batteriestand informiert.

Sollte die Energieversorgung doch mal auf der Strecke bleiben, so kann man von außen mit Hilfe eines Mikro-USB Anschlusses mit einem Ladeadapter oder einer Powerbank Strom zuführen. Im Notfall muss man also ein entsprechendes Kabel + Stromquelle im Außenbereich zur Verfügung haben (evtl. eine gute Möglichkeit, den Nachbarn mal wieder „Hallo“ zu sagen). Allgemein schade finde ich, dass hier nicht auf den aktuellen USB-C Standard gesetzt wurde.

Software und Inbetriebnahme

Die Einrichtung des Welock Touch41 über das integrierte Display gestaltete sich im Test, mit etwas technischem Know-How, als leicht und intuitiv und war zügig vollbracht.

Hier besteht eine Diskrepanz zwischen Bebilderung und Text. Auf den Bildern ist der Druckknopf mit Wecktaste bzw. „Schlüssel Einstellen“-Taste beschriftet. Im Text ist plötzlich von der „Set-Taste“ die Rede. Da es nur eine Taste gibt, ist die Lösung schnell zu finden.

Die einzelnen Schritte zum Anlernen und Löschen von Fingerabdrücken/RFID-Karten/Bluetooth sind logisch und verständlich erklärt. Ich hätte mir zusätzlich noch ein Baumdiagramm der Menüpunkte gewünscht.
Es können 3 Admin-Fingerabdrücke und 97 Benutzer-Fingerabdrücke sowie 20 RFID-Tags gespeichert werden. Nur der Admin kann Abdrücke, Tags oder Geräte später hinzufügen oder löschen.

Die Programmierung der Fingerabdrücke ist nicht genauer beschrieben. Im Display steht „move finger“ (obwohl Deutsch eingestellt war). Was genau damit gemeint ist, wird wieder nirgendwo erklärt. Einige Hersteller wollen ein „Rollen“ des Fingers auf der Stelle, andere ein Anheben und Absenken. Welock möchte Letzteres, was durch Trial&Error herauszufinden ist.
Jedem Fingerabdruck ist eine numerische ID zugeordnet. Diese sollte man sich unbedingt notieren, da es keine Benutzerverwaltung als solches im Schloss gibt, sondern nur einzelne IDs gelöscht werden können. Meine Hoffnungen ruhten auf der App.

Über den QR-Code ist die App problemlos auf dem Handy installiert. Zur Nutzung muss man sich zuerst mit Email oder Mobilnummer registrieren. Die App selbst ist aufgeräumt und schlicht. In meinen Augen zu schlicht. Eine richtige Benutzerverwaltung oder ein Zeitfenster in denen der jeweilige Nutzer Zutritt bekommt sucht man vergebens. Warum lege ich so großen Wert darauf? Vielleicht will man einen Nutzer mit allen Fingerabdrücken und RFID-Tags löschen, der Putzhilfe nur an bestimmten Tagen und Uhrzeiten Zutritt gewähren oder dem Nachbar nur während des Urlaubs. Eine solche Funktion gibt es nicht.

Man kann verschiedene Nutzer anlegen und diesen dann eine oder mehrere gespeicherte IDs zuteilen, aber das Löschen der ID im Schloss hinterlässt einen (nicht erkennbaren) verwaisten Eintrag in der App. Programmiert man wieder einen neuen Abdruck und dieser bekommt die „freie“ ID ist sie immer noch einem Nutzer zugeordnet und das Log ist falsch.
Viel einfacher als am Schloss ist das Löschen einzelner IDs in der App. Wie geschrieben ist das Notieren der IDs unerlässlich.

Man kann auf einfache Weise das Datum und Uhrzeit des Schlosses einstellen, sowie eine Liste der Öffnungen und Schließungen mit der ausführenden ID abrufen.

Einschätzung der Sicherheit des Systems

Wer sich mit elektronischen Schließsystemen auskennt, weiß, dass die Auswertungs- und Schließelektronik immer im gesicherten (Innen-) Bereich liegen sollte. Hintergrund ist, dass sonst eine Manipulation von außen möglich ist.

Wie hat Welock dieses Schließsystem umgesetzt: der Abdrucksensor erstellt einen Schlüssel anhand des Fingerabdrucks. Ist dieser gespeichert und autorisiert, wird ein Relais angezogen, wodurch das Drehen des Kerns ermöglicht wird, was wiederum den Schließbart dreht und dadurch Riegel und/oder Falle öffnet bzw. schließt.

Bekommt man nun Zugang zur Elektronik, kann man das Relais direkt mit einer Spannung ansteuern und den Kern drehen. Entsprechende Videos findet man auf youtube.1

Den Widerstand des Gehäuses konnte ich nicht testen, aber der Kunststoff macht nicht den Eindruck, als würde er einem festen Schlag, einer Rohrzange oder gar einem Hammer (lange) widerstehen.

Dies sind nur logische Vermutungen, aber waren ohne Zerstörung des Welock im Test nicht zu verifizieren. Zudem sind auch herkömmliche Schlösser in der Regel mit dem richtigen Werkzeug kein Hindernis für Langfinger. Man muss die eigenen Sicherheitsanforderungen hier also entsprechend mit dem persönlichen Bedarf abwägen. Eine unüberwindbare Barriere sind elektronische Schlösser wie das WeLock Touch41 nicht.

Ein weiteres Merkmal des TouchEBL41 ist, dass für eine Auslesung/Steuerung per App das Schloss in Bluetooth-Reichweite sein muss. Um dies zu umgehen ist alternativ ein Hub (Wifi-Box) online erhältlich, welcher in Bluetooth-Nähe platziert wird und dann die Befehle übers Internet sendet/empfängt. So lässt sich der Zylinder von überall (ent)sperren, was Vorteile in Hinsicht auf den Komfort und Nachteile im Hinblick auf die Sicherheit mit sich bringt.

Technische Daten des Welock Touch41

Die technischen Daten habe ich der der Bedienungsanleitung entnommen. Aufgefallen ist mir, dass es leichte Abweichungen zu den Angaben auf der Herstellerseite gibt.

Anwendbare TürtypenHolztüren, Innentüren
Einstellbarer Bereich50-lOOmm
Betriebstemperatur25°C – 60°C
Material des GriffsZink-Legierung
Sonstige MaterialienEdelstahl, Kunststoff
Zykluszeiten für das Pressen100.000 Mal
Art der EntriegelungPasscode/RFID-Karte/Bluetooth
Batterie-Typ3* AAA-Batterie
Leistungsaufnahme3.6V-4.5V
Austausch der BatterieErsetzbar
FarbeSilber
Lebensdauer der Batterie10-12 Monate
Aktuelles AngebotAmazon

Bei Betrachtung der Spezifikationen fiel mir im Test des Touch41 erneut die Ungenauigkeit bzw. Fehlerhaftigkeit der Dokumentation auf. Warum kann, darf oder soll der Zylinder nur mit Holztüren verwendet werden? Solange die Türe einen Eurozylinder hat, sollte das Welock passen.

Noch interessanter ist der Hinweis auf Innentüre als Einsatzort. Im Manual ist leider keine IPX-Schutzklasse angegeben, auf der Herstellerseite findet man hingegen die Angabe IP65 (= Staubdicht + Schutz vor Strahlwasser aus allen Richtungen). Auf der Homepage sind passend dazu Außenhaustüren abgebildet und das Gummi und der beigelegte Gummistopfen legen auch eine Verwendung im Außenbereich nahe. Die Unklarheit sollte der Hersteller genauer klären, um eine falsche Anwendung zu vermeiden.

Pro vs. Kontra Touch41

ProKontra
Umfassender LieferumfangAuswert- und Steuerelektronik außen
Schnelle & einfache MontageKeine eindeutige Freigabe für den Außenbereich
Display simple und zweckmäßigRegistrierung zur Nutzung der App erforderlich
RFID-, Fingerabdruck- und Bluetooth-SteuerungUngenauigkeiten in Dokumentation
Einfache Einrichtung und BedienungApp sehr rudimentär
Schutz vor Wasser
Gute Qualität und Haptik
Günstiger Preis

Mein Fazit zum Welock Touch41 Test

Das Welock Touch41 hinterlässt im Test einen gemischten Eindruck. Einerseits macht es optisch einen guten Eindruck, ist äußerlich gut verarbeitet und wir mit zahlreichem Zubehör geliefert. Die Montage und Handhabung haben sich als einfach erwiesen. Das Display hilft bei der Bedienung und ist intuitiv. Betrachtet man Wettbewerber wie Nuki und Netatmo, so ist das Schloss durchaus erschwinglich. Allerdings muss man ein paar Abstriche machen.

Zum Einen ist der Aufbau des Welock Touch41 meiner Ansicht nach nicht optimal mit Blick auf die Sicherheit. Die Systemelektronik auf der Außenseite zu positionieren birgt ein potenzielles Risiko. Schade fand ich, dass die Bedienungsanleitung zahlreiche Ungenauigkeiten beinhaltet, die den Einsatz erschweren. Insbesondere die Tatsache, dass das Schloss nur für Innentüre empfohlen wird, widerspricht der Außendarstellung. Ähnliche Mängel zeigen sich auch in der App, die zwar einige Funktionen enthält, aber auch zahlreiche brauchbare Features vermissen lässt. Das User Interface ist zudem sehr ausbaufähig – hier handelt es sich meiner Ansicht nach um ein „minimum viable product“.

Als Fazit zu meinem Test würde ich das Welock Touch41 nur für den Innenbereich empfehlen und nur für Türen, an die keine besonderen Sicherheitsansprüche gestellt werden oder wo es ausreicht einen Aufbruch später nachvollziehen zu können, anstatt ihn wirklich zu verhindern.

Denkbare Einsatzbereiche wären aus meiner Sicht z.B. eine WG mit mehreren Einzelzimmern, einzelne Büroräume innerhalb eines größeren Komplexes oder das Haus einer Familie, in dem man Kinder aus bestimmten Bereichen/Räumen fernhalten will, ohne jedes Mal umständlich mit einem Schlüssel hantieren zu müssen.

Das Schloss könnt ihr u.a. bei Amazon oder auf der Herstellerseite von Welock erwerben.

Quellen

1 youtube

Der Artikel wurde mir von Welock zum Testen kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst weder mein Vorgehen, noch mein Urteil.

Diesen Blogpost hat geschrieben ...

Martin Bär

Als Experte in Smart Home und Elektronik biete ich umfassende Unterstützung bei der Planung und Umsetzung intelligenter Haustechnik. Mit meiner Ausbildung als Elektroingenieur und Gebäudeplaner halte ich mich stets technologisch auf dem neuesten Stand. Meine Begeisterung gilt sowohl beruflich als auch privat der Heimautomation, Sicherheitssystemen, energieeffizienter Beleuchtung und intelligenten Thermostaten. Zusätzlich bringe ich Erfahrung in erneuerbaren Energien und smarten Stromnetzen mit, was die Integration umweltfreundlicher Technologien in Ihr Smart Home ermöglicht. Auf meinem Blog teile ich mein Fachwissen, um sowohl Neulingen als auch Fortgeschrittenen im Smart Home-Bereich zu helfen. Als Ihr Partner freue ich mich darauf, Sie bei Ihren Smart Home-Projekten zu unterstützen und stehe Ihnen mit meinen Fachbeiträgen unterstützend zur Seite.

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