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In unserem Forum sowie auch in unseren Facebookgruppen fragen viele Nutzer immer wieder nach der Reichweite der einzelnen Komponenten im Smart Home. Daher möchte ich in diesem kurzen Blogartikel meine Erfahrungen aus den letzen Wochen mit euch teilen.

Fleißige siio Leser wissen, das ich damals das Fibaro System genutzt hatte. Daher stellte sich für mich nicht die Frage nach dem Funksystem, als wir unseren Garten gebaut hatten. Es war klar, das ich auf Z-Wave setzten werde.
Ein erster „Reichweitentest“ zeigt auch, das es durchaus möglich ist, eine Lampe im Garten mit Z-Wave zu schalten.
Der Test gestaltete sich so, das ich eine alte Stehlampe auf der neuen Terrasse platzierte, in diese eine Zipato Z-Wave E27 Leuchte schraubte und diese via Fibaro Home Center schaltete.

russischer Reichweitentest

Das funktionierte soweit recht zuverlässig. Nur beachtete ich in diesem Test nicht, das die späteren Lampen auf der Terrasse komplett aus Metall sein werden, was sich später als großes Problem herausstellte.

Unser Garten ist ca. 25 Meter vom Haus entfernt. Die Terrasse selbst ist 5×5 Meter groß. Das heisst, der äußerste Punkt ist 30 Meter vom Haus entfernt.

Der Garten muss smart werden

Diese Entfernung sollte doch zu überbrücken sein! schließlich ist Z-Wave ein geroutetes Meshnetzwerk. Das bedeutet, das jedes aktive Gerät (das sind alle jene Geräte, welche dauerhaft mit 230V Strom versorgt werden) – Signale weiterleiten können. Sie bilden Netzknoten und je mehr dieser Geräte in einem Z-Wave Netzwerk vorhanden sind, desto enger vermascht wird dieses Netz. Der Controller – also das Smart Home Gateway kennt natürlich jedes einzelne Gerät im Netzwerk und weiß sogar wer dessen Nachbar ist.
So kann der Controller Routen vorhalten, wie er jedes Gerät im Netzwerk erreichen kann, auch wenn er mit dem jeweiligen Gerät nicht direkt reden kann.
Das macht Z-Wave zu einem stabilen und zuverlässigen Netzwerk für das Smart Home.

Das zeigte sich auch in meinem Garten, denn den Fibaro Rollershutter, welcher das Rolltor meiner Rasenmähergarage steuert, wurde stets zuverlässig erreicht.
Auch die Laternen auf der Terrasse konnte ich schalten – hin und wieder zumindest…

Es war einfach nicht möglich. die (Metall-) Laternen auf der Gartenterrasse zuverlässig ein- und auszuschalten.
Darüberhinaus hatte ich noch GU10 Spots in eine kleine Steinmauer eingebaut. Da ich aber nicht einmal die Lampen auf der Terrasse zuverlässig schalten konnte, kam ich nicht mal auf die Idee auch diese umzurüsten. Mal davon abgesehen, das es in der Z-Wave Welt keinen Hersteller gibt, der GU10 Spots anbietet.

Z-Wave oder ZigBee Leuchtmittel?

Ich war mir sicher, das es an den Metall-Laternen liegen muss, da sie das Funksignal abschirmen.
Ich hatte sogar überlegt ob man die Antenne der Zipato E27 Bulbs verlängern und aus den Lampen herausführen könnte.

Als ich dann auf homee umstieg, rüstete ich noch zwei Außenlampen, welche an der (Außen-)Hauswand installiert sind auf Z-Wave um und war mir sicher: Jetzt wird das mit der Beleuchtung auf der Terrasse klappen.
Aber Fehlanzeige. Die Unzuverlässigkeit beim schalten blieb.

Entfernung vom Haus bis zum Garten

Bis auf den einen Tag…..

Als es sehr windig war, kippte mir eine der Laternen um. Die E27 Zipato Bulb ging dabei unreperabel zu Bruch. Einen Ersatz hatte ich nicht zur Hand. Aber ich hatte noch einige Belkin WeMo Zigbee Lampen zur Verfügung und dachte mir – ein Versuch ist es wert!

Zigbee ist wie auch Z-Wave ein geroutetes Meshnetzwerk. Arbeitet aber auf der 2,4Ghz Frequenz, also auf jener, auf der auch das WLAN Band herumfunkt. Eine Fausregel besagt: Desto geringer die Frequenz, desto höher die Durchdringung von Materialien.
Z-Wave liegt auf dem 868 Mhz Band und hat daher eigentlich die besseren Eigenschaften.

Von ZigBee Geräten hatte ich nicht annähernd so viele, wie Z-Wave Geräten. Soll heißen, das ZigBee Meshnetzwerk war nicht sehr groß und stabil, so dass ich nicht an den Erfolg der ZigBee Leuchten im Garten glaubte.

Denkste: Auf Anhieb ließen sich alle vier Lampen in den Laternen schalten.

Garten mit 4 Laternen und bunten Gartenspot

Warum??

Nun stellt sich natürlich die Frage: Warum geht es mit ZigBee, aber mit Z-Wave nicht?
Zigbee arbeitet auf dem überfüllten 2,4Ghz Netzwerk. Die Frequenz durchdringt viel schlechter Materialien als das es Z-Wave auf dem 868 Mhz Band tut und ich hatte gerade mal 14 ZigBee Geräte – aber über 100 Z-Wave Geräte. Eigentlich spricht alles dagegen, das ich die Entfernung zu den Gartenlaternen, dessen Eigenschaften alles andere als förderlich für Funk sind, mit Zigbee überbrücken kann.
Aber es ging doch!

Die Antwort liegt im Meshnetzwerk.
Eingangs beschrieb ich, das alle aktiven Geräte im Z-Wave Netzwerk das Signal weiterleiten. Das macht Zigbee auch. Nur in einem Punkt unterscheiden sich beide Funkprotokolle: Während bei Z-Wave nur 4 Hops möglich sind, ist dies bei ZigBee nicht so radikal begrenzt.
Hops bedeutet – maximal 4 Geräte dürfen im Z-Wave Netzwerk das Signal weiterleiten.
So wird wohl das Signal bei einer der Laternen angekommen sein, aber diese wird höchstwahrscheinlich schon der letzte Hop gewesen sein. Daher konnte ich nie alle Laternen zuverlässig schalten.

Darüberhinaus lässt sich der Aufbau eines Meshnetzwerks nicht beeinflussen. Auch wenn es für uns logisch scheint, dass das Signal von A nach B zu C und dann auf D geht, so kann es auch sein, dass sich das Meshnetzwerk von A zu C zu B zurück zu A aufbaut und D niemals erreicht wird.

Ich war so happy darüber das ich nun zuverlässig das Licht im Garten schalten und dimmen konnte, dass ich mir direkt die Osram Lightyfy Gardenpole Spots bestellt hatte. Welche natürlich ebenfalls auf ZigBee funken.
Und ja, sie funktionieren! Vielleicht stelle ich diese in einem der nächsten Artikel mal genauer vor.

Gestern habe ich dann auch die Spots, welche ich in eine kleine Steinmauer eingelassen habe mit SCHWAIGER GU10 Spots smart gemacht.

Ganz ehrlich: Ich hatte keine wirklich hohe Erwartung das die Lampen vom homee erreichbar wären. schließlich sind Sie von Kopfsteinplfaster-Steinen umgeben und in einer Hülse eingemauert. Die Front ist mit einer Glasscheibe verschlossen und aufgrund der kleinen Bauform der GU10 Spots kann eine große Antenne innen verbaut sein.
Aber siehe da: Auch dies Spots kann ich nun steuern.

So ist mein Garten nun zu 99% ein ZigBee Garten, nur das Rolltor des Rasenmähroboters steuer ich weiterhin über das Fibaro Rollershutter Modul. Und es tut seinen Dienst :-)
Als Steckdosen nutze ich übrigens auch ZigBee Modelle von Osram Lightify.

ZigBee & Z-Wave Garten

Mit diesem Artikel wollte ich euch die Eigenschaften der Funksysteme näher bringen und zeigen, das man Funk nicht „planen“ kann.
Die allgemeine Frage was nun besser ist – Z-Wave oder ZigBee – sollte dieser Artikel nicht beantworten. Denn beide Funksysteme haben Ihre Vorteile und es kommt auf den Anwendungseinsatz an. Z-Wave bietet ein wahnsinnig großes Ökosystem und ist untereinander sehr kompatibel.

Zigbee hat viele Profile im Protokoll und ist kaum untereinander kompatibel – eine Ausnahme bildet das Lightning Profil. Im Bereich Licht würde ich ZigBee definitiv empfehlen!

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crissxcross
crissxcross
Chris, Gründer und Blogger von siio. Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.
  • Frank
    18. Juni 2018 at 7:04

    Kleiner Tipp:
    statt „desto mehr … desto besser…“ empfiehlt sich „JE mehr… DESTO besser …“ ;)
    Liebe Grüße,
    Frhofer

  • Jörg Maurer
    18. Juni 2018 at 13:24

    Ich sage nur Lichtverschmutzung.
    Auch darüber sollten wir uns mal Gedanken machen.
    Mfg
    Maurer

  • Berthold Kusserow
    21. Juni 2018 at 13:25

    Hallo Crissxcross,
    auf dem letzten Gartenbild auf der Seite meine ich einen MIYO Sensor aus dem MIYO-Bewässerungssystem zu erkennen. Ist das richtig? Falls ja, würden mich Deine Erfahrungen sehr interessieren, da ich ebenfalls über dieses Produkt nachdenke, aber Zweifel hatte, ob die Reichweite des MIYO Senders ausreicht, um eine Distanz von 20-25 Metern zuverlässig zu überbrücken. Ich habe mich auch gefragt, ob man die MIYO-Ventile manuell bedienen kann oder ob das nur per App möglich ist.
    Beste Grüße,
    Berthold

    • crissxcross
      21. Juni 2018 at 13:30

      sehr wachsames Auge ;-)
      Ja es ist ein MIYO Sensor. Das System habe ich gerade im Test für ein Review, welches ich für Anfang Juli plane.
      Um deiner Frage vorweg zu greifen: Reichweite schwierig, Ventile lassen sich manuell via App schalten – leider nicht lokal.

  • Markus Storm
    23. Oktober 2018 at 10:21

    Also wenn ein ZWave-Mesh selbst mit 4 Hops keine 30m überbrücken kann, dann ist das kein Technologie-Problem, sondern es ist etwas mit dem Setup im Argen. Meist ist das Problem, daß das Mesh-Netz nicht aktualisiert wurde. Üblicherweise legt man Geräte beim Anlernen ja neben den Controller und der merkt sich daß er sie direkt erreicht. Verlegt man ein Gerät danach an seinen weiter entfernten Bestimmungsort, müßte ein Heal des ZWave-Netzwerkes angestossen werden, damit es künftig geroutet über ein anderes Gerät adressiert wird. Lies mal dein Mesh aus und stoss ein netzwerkweites Heal an. Ich kenne Homee nicht, aber in der Hinsicht sind viele Zentralen fehlerhaft.

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