Powerfox – Stromzähler auslesen und Stromverbrauch via App im Blick

crissxcross
Geschrieben von crissxcross
ssmaart-Haus

Mit dem Strom ist das so eine Sache. Wir zahlen jeden Monat brav unseren Abschlag an den Stromanbieter und sind dann einmal im Jahr sehr glücklich, wenn wir eine Gutschrift bekommen. Oder eben zu Tode betrübt, weil eine Nachzahlung ins Haus steht.
Dabei könnte doch alles so einfach sein, wenn man den Zählerstand jeden Tag ablesen und in eine Excel Liste eintragen würde. So könnte man sich immer ausrechnen, wieviel vom Abschlag noch übrig ist, oder wie hoch die Nachzahlung wird.
Aber wer macht das schon?

Die Jungs von Powerfox haben sich wohl genau das gleiche gedacht und ein kleines, aber sehr hilfreiches Gerät entwickelt.
Jenes wird auf den (digitalen) Zähler geklebt und überträgt den Zählerstand regelmäßig via WLAN. Die dazugehörige Powerfox App bereitet alles grafisch und übersichtlich auf.

powerfox -Poweropti

Aber der Reihe nach…

Zählertypen

Vielleicht gehörst du schon zu jenen, die einen modernen, digitalen Zähler im Keller bzw. Verteilerschrank hängen haben?
Dann gehörst du nämlich zu jenem Kreis, der Powerfox einsetzen kann.
Denn die alten Ferraris Zähler (das sind die mit der Drehscheibe) fallen so langsam, aber sicher nach und nach aus der Eichfrist heraus. (16 Jahre lang ist diese bei Stromzählern).
Der Netzbetreiber steht dann aktuell vor der Herausforderung: Was nur verbauen?
Denn aktuell schwebt da noch dieser Smart Meter Rollout über dem Strommarkt. 
Zunächst sollen zwar nur Haushalte über 6.000 kWh Jahresverbrauch so einen bekommen und das sind wohl die wenigsten Haushalte. Denn ein 4 Personenhaushalt hat einen Verbrauch zwischen 3.500- bis 5.500 kWh, je nachdem ob man vielleicht auch noch einen elektrischen Boiler oder einen elektrischen Heizkörper hat.
Doch so sicher wie das Amen in der Kirche wird man diese Schwelle in den kommenden Jahren senken.
Zum anderen gibt es bis vor kurzen noch keine drei – vom BSI zugelassenen – Smart Meter Gateways, die es brauchte, damit der Rollout starten konnte, ohne dass ein Hersteller daraus eine Monolpolstellung bekommt.

Daher werden nun sogenannte „Moderne Messeinrichtungen“ verbaut.
Das sind quasi diese digitalen Zähler, die technisch in der Lage sind, Verbräuche zeitlich aufzuzeigen und einige davon können auch in zwei Richtungen messen: Bezug und im Falle einer PV Anlage – der Einspeisung.
Sie können dann später mit einem Smart Meter Gateway verbunden werden, um die Daten zum Netzbetreiber und Stromversorger abzutransportieren.
So wird man zukünftig den Strom auch wie die Telefonrechnung zahlen – nämlich monatlich nach Verbrauch.

Moderne Messeinrichtung – hier: eBZ Zähler

Manchmal macht unsere Politik ja sogar ganz schlaue Sachen. Und so hat man beschlossen, dass es auch eine „Kundenschnittstelle“ geben muss.
Heißt also, dass die Daten aus dem Stromzähler, auch dem Kunden zugänglichgemacht werden müssen. Und zwar nicht über das Smart Meter Gateway, denn das wäre ja wieder ein Sicherheitsrisiko wenn dort Türen und Tore geöffnet werden, sondern über eine eigene Schnittstelle.
Und jene heißt „Info DSS“ Port. 
Das ist eine Infrarotschnittstelle, welche aller paar Sekunden den aktuellen Zählerstand und die aktuelle Leistung herauspulst.

Poweropti von Powerfox funkt via WLAN

Installation Powerfox

So und nun schließt sich mein Exkurs von Stromzählern zum Powerfox.
Denn genau auf diese Schnittstelle wird das Gerät der Berliner Firma draufgesetzt.
Richtig – draufgesetzt. Da muss man keine Kabel anklemmen, oder irgendwelche Zangen um 230 Volt Kabel legen. Einfach draufkleben.

Einziges Manko: Man braucht eine Steckdose im Verteilerschrank. Denn der Powerfox selbst wird via Micro USB Anschluss via Netzteil mit Spannung versorgt.
Das werden in den meisten Fällen nur Hausbesitzer haben, denn in Mehrfamilienhäusern darf das meines Wissens nach nicht sein – Stichwort: Stromklau.
Aber der Powerfox richtet sich sowieso nur an Eigenheimbesitzer, denn wie eingangs schon erwähnt, wird der Zählerstand von dem Auslesegerät via WLAN übertragen. 
Jenes reicht in Mehrfamilienhäusern sowieso nicht bis in den Keller. Also dort wo meist die Stromzähler installiert sind.

Da hängt er im Zählerschrank

#App

Per WLAN finden die Infos also ihren Weg zum Smartphone.
Dort in der übrigens (in den ersten 3 Jahren) kostenlosen App, werden sie als Säulendigramm sehr übersichtlich dargestellt. 
So lässt sich jeder Tag mit den anderen Wochentagen auf einen Blick vergleichen.

Dashboard der Powerfox App

Damit man auch seinen Kostenrahmen im Auge behält, lässt sich der eigene Tarif und die Höhe des Abschlags hinterlegen.
Die App rechnet dann fein mit, so dass man jederzeit prüfen kann, ob man noch im Abschlag ist, oder jenen diesen Monat schon ausgereizt hat.

Wer das Glück hat, das der Stromanbieter sogenannte Hoch- und Tieftarife anbietet (lies: Nachtstrom), so können auch diese Variationen berücksichtigt werden.
Spannend, denn in Zukunft wird dies mit dem Smart Meter deutlich verbreiteter sein.
Denn der Stromanbieter ist dann verpflichtet, einen Mehrwert für den modernen Zähler in Form von Smart Meter Tarifen anzubieten.
Das könnte dann so aussehen, dass du als Nutzer den Preis der Börse durchgereicht bekommst. Also stundenbasierte variierende Preise, bis hin zu negativ Preisen. Dann würde man also Geld fürs Strom verbrauchen bekommen.
 Wir hatten hier vor einiger Zeit von Awattar berichtet, welche die ersten waren, die Deutschlandweit so einen Tarif angeboten haben: aWATTar in Deutschland gestartet: erster Stromtarif mit stündlicher Anpassung

Verbräuche als Säulendiagramm

#Alarme

Ganz nützlich sind auch die „Alarme“ in der Powerfox App. Denn nach meinen ersten Testwochen kann ich sagen, dass man zwar in den ersten Tagen oft und viel in die App schaut. Doch wenn man dann erstmal ein Gefühl für seinen Stromverbrauch entwickelt hat, wird dies seltener.
Dann sind die Alarme gut, welche man sich individuell für verschiedene Ereignisse einrichten kann, um sich per Pushmitteilung informieren zu lassen.
So zum Beispiel wenn der Abschlag erreicht wird und somit eine Nachzahlung droht, oder wenn in der letzten Stunde ein zu Hoher Verbrauch war – weil zum Beispiel die Gartenpumpe nicht ausgeschaltet wurde.
Das gleiche kann natürlich auch auf den Tag umgemünzt werden, so dass man eine Alarmierung erhält, falls der Tagesverbrauch viel zu hoch war, weil die Frau zwei Waschmaschinen gewaschen und dreimal den Trockner an hatte.

Abschlag imemr im Blick und bei Überschreibung gibts ne Pushmitteilung

#Kosten

Kurz und knapp: der Poweropti von Powerfox kostet mit allem Drum und Dran 69,95 Euro.
Mit enthalten ist dabei 3-Jahre App Nutzung. Danach soll es jährlich 4,99 Euro kosten – also weniger als 42 Cent pro Monat. 
Das geht schon.

Poweropti Serienmodell – 69,95 Euro

Neues Modell – poweropti+

Das Problem mit der externen Spannungsversorgung hat man im Berliner Unternehmen Powerfox erkannt.
Lösen will man dies mit einem ganz neuen Modell, welches wir von siio als Vorserienmodell exklusiv testen durften.
(Vielen Dank Berlin!)

Neues Modell: Poweropti+

Jenes bedient sich der Spannung, welche moderne Messeinrichtungen – beispielsweise jene von eBZ oder die EasyMeter – für genau jenen Zweck zur Verfügung stellen. 
So muss lediglich eine Abdeckkappe gelöst und das neue Modell in L-Form aufgesetzt werden.
Spannungsversorgung und Auslesung funktionieren dann Prompt. 
Das macht die Installation noch einfacher. Die Hürde der Funkreichweite von WLAN bleibt jedoch auch bei diesem Modell bestehen.
Zu welchen Zählern der neue Poweropti+ kompatibel ist, findest du hier:
 Kompatibilitätsliste

So sieht das neue Modell aus – der PowerOpti+

Integration Smart Home

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wie kann ich den Powerfox mit meinem Smart Home verbinden, um so Geräte zur passenden Zeit ein- und auszuschalten?
Oder einfach nur, um den Verbrauch auf meiner Smart Home Oberfläche zu visualisieren.

Dafür bietet Powerfox eine offene API  und findige Community Mitglieder haben schon einige Integrationen – beispielsweise in Open HAB geschrieben
Noch mehr Infos dazu, gibt’s im Blog von Powerfox.

#Fazit

Coole und preiswerte Erweiterung für all jene, die bereits eine moderne Messeinrichtung haben und ihren Stromverbrauch stets im Blick behalten wollen.
Die Installation ist super einfach und schnell gemacht.
„Dank“ WLAN leider nur was für Eigenheimbesitzer, oder Mieter mit Stromzähler in – oder Nahe der Wohnung.

Diesen Blogpost hat geschrieben ...

crissxcross

crissxcross

Chris, Gründer und Blogger von siio.
Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.

7 Kommentare

  • An sich eine sehr gute Sache. So könnte Mann,Frau Familie eventuell Geld einsparen oder vor bösen Überraschungen bewahrt werden. Aber das es nur WLAN nutzt ist sehr enttäuschend könnte man den nicht eine Möglichkeit zum WLAN Hotspot einbauen so könnte man die mobile daten verbindung vom Handy nutzen da es sowieso vom Handy benutzt wird also eine app hatt. Ist aber warscheinlich wegen Datenschutz oder zu teuer nicht möglich. Typisch man bekommt nur etwas wenn man etwas an Erweiterungen dazu kaufen muss.

  • Zum Thema “die ersten” mit negativen Strompreisen. Den GrünstromIndex gibt es öffentlich seit 2015, was die Grundlage für netzdienlichen Strombezug ist und zum Beispiel seit 2017 in den Corrently Stromprodukten als Rückgrat dient. Wir bieten aktuell die Mehrwertdienste für alle Messstellenbetreiber an, die ein intelligentes Messsystem verbauen (müssen).

  • Warum alles so kompliziert machen war es doch vorher mit die alten Zähler einfacher aber hier kann man den Bürger besser besch….

    • In dem Beitrag ging es darum, wie man einen digitalen Zähler ausliest.
      Solange es kein Smart Meter Gateway besitzt, also ein Modem das die Daten an den Energieversorger überträgt – bleiben alle Informationen bei dir Zuhause.
      Ausser dass sich kein Zählerrad mehr dreht und die Zahlen nun digital sind – ändert sich nichts. Was genau ist jetzt da also der Beschiss am Bürger?

  • So positiv auch die Zeitbasierenden Tarife hier hochgehimmelt werden, sehe ich da aber auch einige Probleme damit verbunden. Der Author geht davon aus, das jeder Mensch artig zur Arbeit gehen kann und man meist nur am Abend zu hause ist, doch das haut ja schon einmal nicht so ganz hin. Es gibt zich Leute die ohne Arbeit sind, gerade Corona hat dies noch einmal befeuert und genau die Leute die wenig Geld auf dem Konto haben, könnten mit so einem Zeitbasierenden Tarif diejenigen sein, die dann tiefer in die Tasche greifen müssten um ihren Strom zu bezahlen, den sie evt. auch Tagsüber brauchen. Sei es nun für Fernsehn, Ventilator, Föhn, Radio usw. Und kommt mir nicht mit “Sozialschmarozer”. Das kann jeden von uns mal treffen. Ich war auch schon ohne Arbeit gewesen und das war echt kein Zuckerschlecken und ein harter Kampf auf den ich gerne verzichtet hätte.
    Das mit dem Nachtsrtom ist für Leute die Nachts arbeiten müssen, auch kein Vorteil. Auch sie sind Tagsüber ggf. aktiver zu Hause.

    Und all diese Sachen mit Nacht und Tag… Das hatten wir auch schon mal bei der Telekom, Stichwort “Mondscheintarif”. Na, wer erinnert sich noch an diesen Quatsch? Wer Abend nach einer bestimmten Zeit telefoniert hat, konnte preiswerter telefonieren.

    Also bleibt mal lieber etwas vorsichtig mit dem angeblichen Komfortgewinn den man uns da potentiell schmackhaft machen will. Klingt auf den ersten Blick alles total toll, aber genauer betrachtet kann der Schuss echt nach hinten losgehen.

    • Grundsätzlich ging es hier in diesem Beitrag darum, wie man einen digitalen Zähler ausliest – und nur in einem Beisatz erwähnte ich die zukünftig kommenden, zeitbasierten-variablen-Stromtarife.
      Auch ich arbeite fast vollständig von Zuhause aus – bin also beim Schreiben des Beitrages nicht vom “Klischee” ausgegangen.
      Und schaut man sich die Preise der EEX Börse an, so würden vor allem jene die Tagsüber den Strom verbrauchen können davon profitieren. Denn auch an der EEX Börse gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wenn also alle am späten Nachmittag nach Hause kommen, den Fernseher einschalten und Abendbrot zubereiten, steigt die Nachfrage und damit der Preis.
      Während tagsüber vor allem die erneuerbaren Energien mithinenspielen und dadurch das Angebot erhöhen – defakto sinkt der Preis.
      Und da du auch noch das Buzzword Nachtstrom aufgeworfen hast. Jene Tarife waren speziell für Haushalte die mit Elektro-Speicherheizungen ausgestattet waren. So um die 1990 der letzte Schrei, sogar staatlich gefördert.
      Jene konnten Nachts wo wenig Stromnachfrage war mit günstigeren Tarifen aufladen.

      Aber auch heute ist es noch so, dass Nachts eine geringe Strom-Nachfrage da ist und daher der Preis gering ist. In der Schweiz variieren die Preise zwischen Tag- und Nacht extrem.
      Dort werfen die Leute vornehmlich Nachts die Waschmaschine an, oder heizen das Warmwasser im Boiler auf. Also auch hier zeigt sich, das finanzielle Anreize das Konsumverhalten ändern können.

      Ich bin überzeugt, das wir im Zuge der Umstellung auf 100% erneuerbare Energien eine Kopplung aus Smart Home und Energiepreis brauchen. Denn das Strom immer in ausreichender Menge zur Verfügung steht, ist keine Selbstverständlichkeit.
      Daher werden wir unseren Konsum entsprechend nach dem Angebot richten müssen und wie kann man es sonst steuern, als über den Preis?

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