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Worst Case im Smart Home: kein Strom, kein Internet, Router kaputt – was nun?

by crissxcross5. November 2018

Das oben eingebundene Bild zeigt mit einer Portion Humor gesalzen, die vier größten Sorgen unserer heutigen digitalen Gesellschaft. Aber was bedeuten diese „Schreckensszenarien“ für ein Smart Home? Wir informieren dich über den „worst case“ und was dann wirklich passiert..

Ein Smart Home macht, einmal richtig eingerichtet und genutzt, das Leben nicht nur sicherer, sondern auch einfacherer. An den zusätzlichen Komfort, den die smarte Technik heute bietet, hat man sich schnell gewöhnt. Statt den Lichtschalter beim Betreten eines Raumes zu betätigen, geht das Licht per Bewegungsmelder automatisch an. Per Sprachsteuerung gehorchen Musik und die Haustechnik aufs Wort und die smarte Heizungssteuerung sorgt permanent für Wohlfühltemperaturen. Aber was passiert, wenn „die vier Reiter der modernen Apokalypse“ in euer smartes Zuhause eingaloppieren?

Sprachsteuerung im Smart Home @Philips Hue

Ohne WLAN keine Verbindung

Wenn draußen ein Gewitter tobt, sind drinnen vor allem die Geräte gefährdet, bei denen zwei Potentiale zusammenlaufen. Hierzu zählen neben dem Fernseher (Strom + TV Kabel) auch die Telefonanlage bzw. der Router (Strom + Telefonleitung). Aber was bedeutet es für das Smart Home, wenn der Blitz den Router quasi in Rauch aufgehen lässt und dieser nicht mehr funktioniert?

Hierbei muss zwischen zwei Szenarien unterschieden werden: cloudbasierten und lokal arbeitenden Smart Home Systemen. Hast Du ein cloudbasiertes System im Einsatz, z. B. die Qivicon Box, Homematic IP oder die Systeme von Gigaset bzw. von Zipato, dann geht in deinem Smart Home bei einem Ausfall des Routers erst einmal gar nichts mehr. Denn diese Systeme speichern alle von dir angelegten Regeln bzw. Szenen online auf den jeweiligen Servern der Anbieter ab. Selbst die Zustände von Geräten sowie Messwerte von Sensoren werden zum Teil in der Cloud gespeichert. Da auf diese dank mangelnder Internetverbindung nicht mehr zugegriffen werden kann, ist dein Smart Home auf einmal ziemlich „unsmart“.

Cloudbasierte Systeme sind auf eine Internetverbindung angewiesen – @by Zipato

Hast du hingegen ein lokal arbeitendes Smart Home System wie das Fibaro Home Center, WD-MyCloud, Homematic CCU2 oder homee im Einsatz, ist mit dem Ausfall des Routers keine Steuerung mehr per App oder über die WebUI am PC mehr möglich. Allerdings funktionieren in diesem Fall immerhin noch alle angelegten Szenarien und Routinen weiterhin. Der Bewegungsmelder kann also weiterhin gemäß der hinterlegten Szene die entsprechend verbundenen Lampen einschalten, wenn dieser eine Bewegung erkennt.

homee – alle Daten lokal auf dem Würfel – @by codeatelier

Setzt Du das System von homee ein, kannst du aber sogar bei einem Ausfall deines Routers weiterhin auf die Steuerung per App zugreifen. Möglich macht dies die Tatsache, dass homee selbst ein eigenes WLAN Netzwerk im Hotspot Mode eröffnen kann. Um dies zu starten, musst du lediglich einen „Netzwerkreset“ durchführen. Dies gelingt, indem du die Reset-Taste mit einer Büroklammer drückst.

Aber auch ohne den „worst case“ eines Router-Ausfalls ist dies ein praktisches Feature. So kannst du es überall dort einsetzen, wo kein eigener Router zum Einsatz kommt, z. B. in einer Ferienwohnung oder im Zuhause deiner Großeltern.

Handelt es sich hingegen um eine von einem Cloud Sensor abhängige Szenen – wie es z. B. bei einer Gartenbewässerung, die nur aktiviert wird, wenn der Regenmesser von Netatmo keinen Regen meldet – dann funktionieren auch diese Szenen bei einem Router-Ausfall nicht mehr.

Defekt des Smart Home Hubs

Schluss mit lustig ist auch, wenn die Zentrale eures Smart Homes, der Hub bzw. das Gateway, die Segel streicht. Dann ist nicht nur Ende im Gelände, was den Komfort angeht, sondern auch Schluss mit der Sicherheit, die dir ein smartes Zuhause bietet. Vorausgesetzt, dass du die Geräte nicht direkt miteinander verbunden oder einen Alarm Broadcast im Einsatz hast.

Viele Smart Home Systeme ermöglichen es dir, dass du Geräte direkt miteinander verknüpfst. Dies kann z. B. der Lichtschalter mit einer Lampe oder der Fenstersensor mit dem Heizungsthermostat im entsprechenden Raum sein. Diese Art der Direktverknüpfungen sind mit Homematic sowie Z-Wave-Geräten möglich – bei letztgenannten sogar herstellerübergreifend („Assoziationen“ genannt).

Mehr dazu:

Weit verbreitet ist zudem der Irrglaube, dass bei einem Ausfall der Smart Home Zentrale nichts mehr geht. Dem muss nicht so sein. Denn viele Geräte lassen sich lokal noch weiterhin bedienen. So kannst du auch per Hand direkt am Heizungsthermostat die gewünschte Temperatur eindrehen. Und über den Lichtschalter mit dem Unterputzmodul kannst du mit dem konventionellen Tastendruck auch weiterhin noch das Licht ein- und ausschalten. Selbst der vernetzte Rauchmelder piept weiterhin im Fall der Fälle, auch wenn gerade keine Verbindung zur Basis besteht.

Einzig die erhöhte Sicherheit, die ein Smart Home zu bieten imstande ist, fällt dann aus – zumindest zum Teil. Push-Mitteilungen können ohne die Smart Home Zentrale nicht mehr verschickt werden. Das Ausführen vordefinierter Aktionen wie das Einschalten des Lichts oder das Hochfahren der Außenjalousien sind im Falle eines Alarmes aber auch ohne Smart Home Zentrale möglich („Broadcast“ genannt).

Das Zauberwort heißt Alarm Broadcast. Hierbei sendet der Sensor, z. B. ein Rauchmelder im Falle eines Feuers, einen Alarm an alle im Netzwerk erreichbaren Geräte. Hast du in deren Gerätekonfiguration zuvor eine Verhaltensanweisung für einen Alarmfall definiert, führen diese nun genau die gewünschten Einstellungen aus. Die Jalousien fahren hoch, das Licht schaltet sich ein und der Absperrschieber für Gas wird geschlossen.

Fällt die Fibaro Zentrale aus, reagieren Aktoren weiterhin auf den Alarmbroadcast- Bild@Fibaro

Ohne Strom nichts los im Smart Home

Ein Stromausfall ist quasi der kleine lokale Supergau – zumindest auf den ersten Blick. In diesem Fall treten quasi die beiden zuvor vorgestellten Szenarien ein, denn sowohl der Router als auch die Smart Home Zentrale funktionieren ohne Strom nicht mehr.

Was nun? Um dich gegen dieses Szenario abzusichern, kannst du mit einer Online-USV vorbeugen. Hierbei handelt es sich um eine Art Batterie. Diese speist die Geräte dauerhaft mit Strom, während diese geladen wird.

Fällt nun der Strom aus, übernimmt die USV die Spannungsversorgung solange die Akkuleistung ausreichend ist. Da viele Smart Home Sensoren batteriebetrieben sind, lässt sich so z. B. die Sicherheit in Form des Alarmbetriebes auch bei einem Stromausfall aufrechterhalten. Sicherheitsrelevante Aktoren können somit auch bei einem kurzzeitigen Stromausfall weiter arbeiten. Weitere Informationen findest du hier: Aeotec Innensirene mit Stützbatterie.

Eine praktische, kleins USV hate ich vor kurzem hier getestet – die Ednet Mini USV

Kein Netz aufgrund von DSL-Ausfall

Der Ausfall der DSL-Leitung kommt in etwa dem ersten geschilderten Szenario (Ausfall des Routers) gleich. Ohne funktionierende Internetverbindung haben alle cloudbasierte Systeme ein Problem – und damit auch die Bewohner des entsprechenden Smart Homes. Alle anderen Systeme laufen hingegen problemlos weiter. Selbst die Steuerung per Smartphone ist, wenn ihr euch im heimischen WLAN Netzwerk aufhaltet, nutzbar.

Während echte Alarmanlagen einen redundanten Meldeweg benötigen, lassen sich einige Smart Home Systeme auch mit einer Backup-Verbindung aufrüsten. So bietet z. B. Zipato einen USB Dongle für SIM-Karten an. Ist keine Internetverbindung via DSL-Anschluss verfügbar, wird automatisch die alternative Verbindung via Mobilfunknetz (GSM) aufgebaut. So ist es dem Zipato Smart Home System sogar bei einem Ausfall des DSL-Anschlusses möglich, weiterhin Push-Mitteilungen zu versenden.

Zipato bietet redundanten Internetzugang via 3G Dongle – Bild @Zipato

Auch beim Fibaro Home Center Lite waren Ansteckmodule vorgesehen. Schaut man an der Box unter die Abdeckungen, lassen sich dort die entsprechenden Vorrichtungen für Steckverbindungen finden. Leider hat der Hersteller Fibaro aber mittlerweile sämtliche Bemühungen eingestellt, die entsprechend erforderlichen Erweiterungen für GSM- oder Backup-Batteriemodule weiterzuentwickeln und auf den Markt zu bringen.

Fazit

Lassen wir die vier apokalyptischen Reiter der Moderne Revue passieren, sind sie für ein modernes Smart Home in Wahrheit nur halb so gefährlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Einzig bei cloudbasierten Systemen gibt es größere Ausfälle. Im Bestfall fallen hingegen nur einige Komfortfunktionen aus, während die sicherheitsrelevanten Funktionen weiterhin ihren Dienst tun. Sorgt ihr für einen Fall eines Stromausfalles vor, können die Funktionen einer kleinen Alarmanlage bestehen bleiben.

Bildnachweis: jarmoluk @pixabay

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Chris, Gründer und Blogger von siio. Gelernter IT-Systemelektroniker, seit vielen Jahren beruflich als Produktmanager im Smart Home unterwegs. Technikverliebter Familienvater, Apple Fan. Nach einigen Jahren Stadtleben wieder froh auf dem Land zu sein.

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